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Laudato si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus
Papst Franziskus hat seine Enzyklika zum Thema Umwelt mit den Worten des Sonnengesangs des hl. Franziskus betitelt. In ihr nennt der Papst Franz von Assisi als Vorbild für die Achtsamkeit gegenüber dem Schwachen und für eine froh und authentisch gelebte ganzheitliche Ökologie.


Papst Franziskus betont: „Es gibt nicht zwei Krisen nebeneinander, eine der Umwelt und eine der Gesellschaft, sondern eine einzige und komplexe sozio-ökologische Krise.“ Und: „Der Rhythmus des Konsums, der Verschwendung und der Veränderung der Umwelt hat die Kapazitäten des Planeten derart überschritten, dass der gegenwärtige Lebensstil, da er unhaltbar ist, nur in Katastrophen enden kann.“

Die Enzyklika beginnt mit den Worten:

1. “Laudato si’, mi’ Signore – Gelobt seist du, mein Herr”, sang der heilige Franziskus von Assisi. In diesem schönen Lobgesang erinnerte er uns daran, dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt: “Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.”

Der Papst bezieht sich dann auf Franziskus selber als Patron des Umweltschutzes:

Der heilige Franziskus von Assisi

10. Ich möchte diese Enzyklika nicht weiterentwickeln, ohne auf ein schönes Vorbild einzugehen, das uns anspornen kann. Ich nahm seinen Namen an als eine Art Leitbild und als eine Inspiration im Moment meiner Wahl zum Bischof von Rom. Ich glaube, dass Franziskus das Beispiel schlechthin für die Achtsamkeit gegenüber dem Schwachen und für eine froh und authentisch gelebte ganzheitliche Ökologie ist. Er ist der heilige Patron all derer, die im Bereich der Ökologie forschen und arbeiten, und wird auch von vielen Nichtchristen geliebt. Er zeigte eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber der Schöpfung Gottes und gegenüber den Ärmsten und den Einsamsten. Er liebte die Fröhlichkeit und war wegen seines Frohsinns, seiner großzügigen Hingabe und seines weiten Herzens beliebt. Er war ein Mystiker und ein Pilger, der in Einfachheit und in einer wunderbaren Harmonie mit Gott, mit den anderen, mit der Natur und mit sich selbst lebte. An ihm wird man gewahr, bis zu welchem Punkt die Sorge um die Natur, die Gerechtigkeit gegenüber den Armen, das Engagement für die Gesellschaft und der innere Friede untrennbar miteinander verbunden sind.

11. Sein Zeugnis zeigt uns auch, dass eine ganzheitliche Ökologie eine Offenheit gegenüber Kategorien verlangt, die über die Sprache der Mathematik oder der Biologie hinausgehen und uns mit dem Eigentlichen des Menschen verbinden. Wie es uns geht, wenn wir uns in einen Menschen verlieben, so war jedes Mal, wenn er die Sonne, den Mond oder die kleinsten Tiere bewunderte, seine Reaktion die, zu singen und die anderen Geschöpfe in sein Lob einzubeziehen. Er trat mit der gesamten Schöpfung in Verbindung und predigte sogar den Blumen „und lud sie zum Lob des Herrn ein, wie wenn sie vernunftbegabte Wesen wären“. Seine Reaktion war weit mehr als eine intellektuelle Bewertung oder ein wirtschaftliches Kalkül, denn für ihn war jedes Geschöpf eine Schwester oder ein Bruder, ihm verbunden durch die Bande zärtlicher Liebe. Deshalb fühlte er sich berufen, alles zu hüten, was existiert. Sein Jünger, der heilige Bonaventura, erzählte: „Eingedenk dessen, dass alle Geschöpfe ihren letzten Ursprung in Gott haben, war er von noch überschwänglicherer Zuneigung zu ihnen erfüllt. Auch die kleinsten Geschöpfe nannte er deshalb Bruder und Schwester.“ Diese Überzeugung darf nicht als irrationaler Romantizismus herabgewürdigt werden, denn sie hat Konsequenzen für die Optionen, die unser Verhalten bestimmen. Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne diese Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, wenn wir in unserer Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen. Wenn wir uns hingegen allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen. Die Armut und die Einfachheit des heiligen Franziskus waren keine bloß äußerliche Askese, sondern etwas viel Radikaleres: ein Verzicht darauf, die Wirklichkeit in einen bloßen Gebrauchsgegenstand und ein Objekt der Herrschaft zu verwandeln.

12. Andererseits legt der heilige Franziskus uns in Treue zur Heiligen Schrift nahe, die Natur als ein prächtiges Buch zu erkennen, in dem Gott zu uns spricht und einen Abglanz seiner Schönheit und Güte aufscheinen lässt: „Von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen“ (Weish 13,5), und „seine unsichtbare Wirklichkeit [wird] an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit“ (Röm 1,20). Deshalb forderte Franziskus, im Konvent immer einen Teil des Gartens unbebaut zu lassen, damit dort die wilden Kräuter wüchsen und die, welche sie bewunderten, ihren Blick zu Gott, dem Schöpfer solcher Schönheit erheben könnten. Die Welt ist mehr als ein zu lösendes Problem, sie ist ein freudiges Geheimnis, das wir mit frohem Lob betrachten.

Papst Franziskus verweist darauf, dass der hl. Franziskus durch die Harmonie, mit der er mit allen Geschöpfen lebte, wieder in den Zustand vor der Ursünde gelangte:

66. Die Schöpfungsberichte im Buch Genesis enthalten in ihrer symbolischen und narrativen Sprache tiefgründige Lehren über das Menschsein und seine historische Wirklichkeit. Diese Erzählungen deuten an, dass sich das menschliche Dasein auf drei fundamentale, eng miteinander verbundene Beziehungen gründet: die Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zur Erde. Der Bibel zufolge sind diese drei lebenswichtigen Beziehungen zerbrochen, nicht nur äußerlich, sondern auch in unserem Innern. Dieser Bruch ist die Sünde. Die Harmonie zwischen dem Schöpfer, der Menschheit und der gesamten Schöpfung wurde zerstört durch unsere Anmaßung, den Platz Gottes einzunehmen, da wir uns geweigert haben anzuerkennen, dass wir begrenzte Geschöpfe sind. Diese Tatsache verfälschte auch den Auftrag, uns die Erde zu „unterwerfen“ (vgl. Gen 1,28) und sie zu „bebauen“ und zu „hüten“ (vgl. Gen 2,15). Als Folge verwandelte sich die ursprünglich harmonische Beziehung zwischen dem Menschen und der Natur in einen Konflikt (vgl. Gen 3,17-19). Darum ist es bedeutungsvoll, dass die Harmonie, in der der heilige Franziskus von Assisi mit allen Geschöpfen lebte, als eine Heilung jenes Bruches interpretiert wurde. Der heilige Bonaventura sagte, dass Franziskus, „da er mit allen Geschöpfen in Frieden war“, wieder in „den Zustand vor der Ursünde“ gelangte. Weit von diesem Vorbild entfernt, zeigt sich die Sünde heute mit all ihrer Zerstörungskraft in den Kriegen, in den verschiedenen Formen von Gewalt und Misshandlung, in der Vernachlässigung der Schwächsten und in den Angriffen auf die Natur.

87. Wenn wir uns bewusst werden, dass in allem, was existiert, der Widerschein Gottes vorhanden ist, verspüren wir zuinnerst den Wunsch, den Herrn für alle seine Geschöpfe und gemeinsam mit ihnen anzubeten, wie es in dem wunderschönen Hymnus des heiligen Franziskus von Assisi zum Ausdruck kommt:

„Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal dem Herrn Bruder Sonne, welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest. Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz: von dir, Höchster, ein Sinnbild. Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne; am Himmel hast du sie gebildet, klar und kostbar und schön. Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst. Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch. Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du die Nacht erleuchtest; und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

Papst Franziskus betont ausdrücklich, dass durch die Verbundenheit von allem eine Sorge für die Umwelt gefordert ist, die mit einer echten Liebe zu den Menschen und einem ständigen Engagement angesichts der Probleme der Gesellschaft verbunden ist:

91. Ein Empfinden inniger Verbundenheit mit den anderen Wesen in der Natur kann nicht echt sein, wenn nicht zugleich im Herzen eine Zärtlichkeit, ein Mitleid und eine Sorge um die Menschen vorhanden ist. Die Ungereimtheit dessen, der gegen den Handel mit vom Aussterben bedrohten Tieren kämpft, aber angesichts des Menschenhandels völlig gleichgültig bleibt, die Armen nicht beachtet oder darauf beharrt, andere Menschen zu ruinieren, die ihm missfallen, ist offensichtlich. Das bringt den Sinn des Kampfes für die Umwelt in Gefahr. Es ist kein Zufall, dass der heilige Franziskus in dem Hymnus, in dem er Gott durch dessen Geschöpfe preist, hinzufügt: „Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen.“ Alles ist miteinander verbunden. Darum ist eine Sorge für die Umwelt gefordert, die mit einer echten Liebe zu den Menschen und einem ständigen Engagement angesichts der Probleme der Gesellschaft verbunden ist.

125. Wenn wir darüber nachdenken wollen, welches die angemessenen Beziehungen des Menschen zu der ihn umgebenden Welt sind, dann ergibt sich die Notwendigkeit, eine richtige Auffassung von der Arbeit zu haben. Denn wenn wir von der Beziehung des Menschen zu den Dingen sprechen, taucht die Frage nach dem Sinn und Zweck des menschlichen Handelns an der Wirklichkeit auf. Wir sprechen nicht nur von der manuellen Arbeit oder der Arbeit mit der Erde, sondern über jede Tätigkeit, die irgendeine Veränderung des Vorhandenen mit sich bringt, von der Erstellung eines sozialen Gutachtens bis zur Planung einer technologischen Entwicklung. Jede Form von Arbeit setzt eine Vorstellung über die Beziehung voraus, die der Mensch mit dem anderen aufnehmen kann und muss. Die christliche Spiritualität hat zusammen mit dem betrachtenden Staunen über die Geschöpfe, wie wir es beim heiligen Franziskus von Assisi finden, auch ein tiefes gesundes Verständnis der Arbeit entwickelt, wie wir es zum Beispiel im Leben des seligen Charles de Foucauld und seiner Jünger antreffen können.

218. Wir erinnern an das Vorbild des heiligen Franziskus von Assisi, um eine gesunde Beziehung zur Schöpfung als eine Dimension der vollständigen Umkehr des Menschen vorzuschlagen. Das schließt auch ein, die eigenen Fehler, Sünden, Laster oder Nachlässigkeiten einzugestehen und sie von Herzen zu bereuen, sich von innen her zu ändern. Die australischen Bischöfe haben die Umkehr im Sinn einer Versöhnung mit der Schöpfung ausgedrückt: „Um diese Versöhnung zu verwirklichen, müssen wir unser Leben prüfen und erkennen, auf welche Weise wir die Schöpfung Gottes durch unser Handeln und durch unsere Unfähigkeit zu handeln geschädigt haben. Wir müssen eine Umkehr bzw. einen Wandel des Herzens erfahren.“

Papst Franziskus ruft zur Umkehr auf, die sich auf ein neues Verhältnis zur Schöpfung und zu den Geschöpfen bezieht. Auch hier verweist er mit dem Gedanken der Geschwisterlichkeit auf den hl. Franziskus:

221. Einige Überzeugungen unseres Glaubens, die zu Beginn dieser Enzyklika dargelegt wurden – wie das Bewusstsein, dass jedes Geschöpf etwas von Gott widerspiegelt und eine Botschaft hat, die uns etwas lehren kann, oder die Gewissheit, dass Christus diese materielle Welt in sich aufgenommen hat und jetzt als Auferstandener im Innersten eines jeden Wesens wohnt, es mit seiner Liebe umhüllt und mit seinem Licht durchdringt – helfen uns, diese Umkehr mit reichem Sinn zu erfüllen. Das Gleiche gilt für die Erkenntnis, dass Gott die Welt erschaffen und in sie eine Ordnung und eine Dynamik hineingelegt hat, die der Mensch nicht ignorieren darf. Wenn jemand im Evangelium liest, dass Jesus von den Vögeln spricht und sagt, dass „Gott nicht einen von ihnen vergisst“ (Lk 12,6), wird er dann fähig sein, sie schlecht zu behandeln oder ihnen Schaden zuzufügen? Ich lade alle Christen ein, diese Dimension ihrer Umkehr zu verdeutlichen, indem sie zulassen, dass die Kraft und das Licht der empfangenen Gnade sich auch auf ihre Beziehung zu den anderen Geschöpfen und zu der Welt, die sie umgibt, erstrecken und jene sublime Geschwisterlichkeit mit der gesamten Schöpfung hervorrufen, die der heilige Franziskus in so leuchtender Weise lebte. Das theologische Nachdenken des Papstes bezieht den hl. Bonaventura ein, der lehrt, dass jedes Geschöpf eine typisch trinitarische Struktur in sich trägt:

239. Für die Christen führt der Glaube an den einen Gott, der trinitarische Communio ist, zu dem Gedanken, dass die gesamte Wirklichkeit in ihrem Innern eine eigentlich trinitarische Prägung besitzt. Der heilige Bonaventura ging so weit zu sagen, dass der Mensch vor der Sünde entdecken konnte, wie jedes Geschöpf „bezeugt, dass Gott dreifaltig ist“. Den Abglanz der Dreifaltigkeit konnte man in der Natur erkennen, „als dieses Buch dem Menschen nicht undurchschaubar war und das Auge des Menschen sich nicht eingetrübt hatte“. Der heilige Franziskaner lehrt uns, dass jedes Geschöpf eine typisch trinitarische Struktur in sich trägt, die so real ist, dass sie spontan betrachtet werden könnte, wenn der Blick des Menschen nicht begrenzt, getrübt und schwach wäre. So weist er uns auf die Herausforderung hin, zu versuchen, die Wirklichkeit unter trinitarischem Gesichtspunkt zu entschlüsseln.

Die gesamte Enzyklika ist nachzulesen unter: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html

Eine Inhaltsangabe und Zusammenfassung findet sich unter:
www.dbk.de

HINTERGRUND: FRANZISKANISCHES SCHÖPFUNGSVERSTÄNDNIS

Nähere Ausführungen zum franziskanischen Schöpfungsverständnis finden sich im Baustein „Franziskus und Schöpfung – Franziskanische Schöpfungsspiritualität“ (Autor: Br. Stefan Federbusch) des Franziskanischen Spiritualitätswegs

Baustein Schöpfung: Download (PDF)

Hier einige Auszüge:

Franziskus und die Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung Für Franziskus ist die „Umwelt“ eine „Mitwelt“. Die Schöpfung und mit ihr die Geschöpfe sind um ihrer selbst willen da, nicht als „Gebrauchswert“ für den Menschen. Sie verweisen auf Gott als den Schöpfer allen Seins.

Dies kommt besonders in seinem bekanntesten Text, dem Sonnengesang zum Ausdruck. Er ist in altitalienischer Sprache verfasst und gegen Ende seines Lebens nach einer langen Phase des Leidens entstanden. Franziskus wusste sich eingebunden in alles Geschaffene. Darum sind für ihn die Gestirne und Elemente, die Pflanzen und Tiere „Brüder“ und „Schwestern“ und die Erde wird zur „Mutter“.

Für Franziskus kommt alles von Gott her. Mit den Geschöpfen und durch alle Geschöpfe preist er Gott im Sonnengesang für alles, was ihm geschenkt ist. Das Leitmotiv des Sonnengesangs ist die geschwisterliche Gemeinschaft mit den kosmischen Erscheinungen: mit der Herrin und Schwester Sonne, mit Bruder Mond und den Sternen, mit den Elementen, Bruder Wind, Schwester Wasser, Bruder Feuer, der Schwester und Mutter Erde und mit allen Kreaturen.

Die Schöpfung als Spiegelbild Gottes

Franziskus lobt und dankt Gott für alles, was er geschaffen hat. Der Mensch bedient sich der Geschöpfe, weil er sie zum Leben und Überleben braucht. Der Umgang mit ihnen sollte geprägt sein von Ehrfurcht und Achtsamkeit. Ein Verständnis des Beherrschens, der Inbesitznahme und Ausbeutung widerspricht dem Schöpfungsauftrag. Als Teil des Ganzen nimmt der Mensch seine Verantwortung wahr, indem er als Hüter die Schöpfung bewahrt und im Sinne der Nachhaltigkeit die Lebensgrundlagen für alle Geschöpfe erhält. Letzter Grund dafür ist das theologische Verständnis, dass die Schöpfung ein Spiegelbild Gottes ist.

Nachhaltigkeit als ökologisches Leitbild

Im Jahr 1983 wurde von der UN-Generalversammlung die „Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“ einberufen, die 1987 den sogenannten Brundtland Report „Unsere gemeinsame Zukunft“ veröffentlichte. Darin wird mit dem Begriff der „Nachhaltigen (zukunftsfähigen) Entwicklung“ die untrennbare Verbindung von Umwelt und Entwicklung beschrieben und der Begriff der Nachhaltigkeit wie folgt definiert: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen. Die Forderung, diese Entwicklung dauerhaft zu gestalten, gilt für alle Länder und Menschen“ (Gro Harlem Brundtland).

Die Idee der Nachhaltigkeit ist somit zum zentralen Leitbild für das Überleben der Menschheit (im 21. Jahrhundert) geworden. Einer der wesentlichen Sätze und Erkenntnisse Albert Schweitzers lautet: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“. Dieser Gedanke drückt sehr treffend Nachhaltigkeit aus.

Heute wird sie verstanden als Zusammenspiel von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen. Alle drei Komponenten müssen eine gleichberechtigte Berücksichtigung finden, um in Bezug auf Lebensmöglichkeiten für alle zu einem gerechten und fairen Interessensausgleich zu kommen.

Nachhaltigkeit im Sonnengesang

In einer Strophe preist Franziskus den Herrn für den „Bruder Wind“, für die Luft und für die Wolken, für die heitere Himmelsbläue und jede Witterung, „durch die Du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst“. Das hier imm Originaltext gebrauchte Wort ‚sustentamento‘ bedeutet: aufrechterhalten, aushalten, erhalten, nachhalten. Noch ein weiteres Mal kommt eine Ableitung dieses Wortes im Sonnengesang vor. Franziskus spricht von „unserer Schwester, der Mutter Erde, die uns trägt und lenkt (,sustenta et governa‘)“. Es ist erstaunlich (oder vielleicht gerade auch nicht), dass Franziskus in seinem bekanntesten Lobpreis eine Urform des Wortes gebraucht, das heute eines der meist verwendeten im Kontext der Ökologie ist: „sustainability“ = Nachhaltigkeit. Franziskus ist hier also tatsächlich höchst aktuell. In seinem Sonnengesang verbirgt sich ein bzw. das ökologische Leitbild unserer Zeit!

Br. Stefan Federbusch


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