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Franziskanische Familie begrüßt neue Enzyklika
Die Mitglieder der (Ordens-)Gemeinschaften der Franziskanischen Familie begrüßen die von Papst Franziskus vorgelegte Enzyklika „Laudato si“. Wir freuen uns, dass der Papst seine Überlegungen „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ Erde mit den Worten des Sonnengesangs betitelt und den hl. Franziskus zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen macht. Papst Franziskus stellt Franz von Assisi (1181-1225) als Vorbild dar für die Achtsamkeit gegenüber dem Schwachen und für eine froh und authentisch gelebte ganzheitliche Ökologie.


Franziskanischer Ansatz

Papst Franziskus greift somit zwei „franziskanische“ Perspektiven auf: die Sicht der Schöpfung sowie die konsequente Perspektive der Armen.

Franziskanisches Schöpfungsverständnis

Das franziskanische Schöpfungsverständnis versteht die Umwelt als eine Mitwelt. Die Schöpfung und mit ihr die Geschöpfe sind um ihrer selbst willen da, nicht als „Gebrauchswert“ für den Menschen. Papst Franziskus verweist darauf, dass die Armut und die Einfachheit des heiligen Franziskus keine bloß äußerliche Askese waren, „sondern etwas viel Radikaleres: ein Verzicht darauf, die Wirklichkeit in einen bloßen Gebrauchsgegenstand und ein Objekt der Herrschaft zu verwandeln“. Denn jedes Geschöpf spiegelt etwas von Gott wider. Der Aspekt der Geschwisterlichkeit leuchtet besonders im Sonnengesang auf, den der Papst ausführlich zitiert. In ihm besingt Franziskus alles Geschaffene als „Schwester“ und „Bruder“ und die Erde als „Mutter“. Im Sonnengesang birgt sich das ökologische Leitbild der Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit verstanden als Zusammenspiel von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen. Alle drei Komponenten müssen eine gleichberechtigte Berücksichtigung finden, um in Bezug auf Lebensmöglichkeiten für alle zu einem gerechten und fairen Interessensausgleich zu kommen.

Perspektive der Armen

Papst Franziskus verschränkt die Umweltfrage mit der Gerechtigkeitsfrage, indem er konsequent aus der Perspektive der Armen als der Hauptbetroffenen der Umweltkrise, beispielsweise der Folgen des Klimawandels), denkt und argumentiert.
Er spricht in aller Klarheit von einer „ökologischen Schuld“ der Industrieländer gegenüber den Entwicklungsländern und fordert sie zur Umkehr auf. Dies schließt die Veränderung der Lebensweise sowie die Akzeptanz einer gewissen Rezession („Wachstumsrücknahme“) in den Ländern des Nordens ein, „damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann.“

Vorbild Franziskus

Beispielgebend kann für ihn der hl. Franziskus sein, in dem aufscheint, dass „die Sorge um die Natur, die Gerechtigkeit gegenüber den Armen, das Engagement für die Gesellschaft und der innere Friede untrennbar miteinander verbunden sind“. Demensprechend ist der heilige Franziskus Patron all derer, die im Bereich der Ökologie forschen und arbeiten. Da er „auch von vielen Nichtchristen geliebt“ wird, kann er Inspirator sein für alle Menschen guten Willens. Der Papst wendet sich in seinem Schreiben an alle Menschen und macht ihnen bewusst, dass die innere Verbundenheit mit allem Geschaffenen von selbst zur Genügsamkeit und Fürsorge führt. Er mahnt zu einem „prophetischen und kontemplativen Lebensstil, der fähig ist, sich zutiefst zu freuen, ohne auf Konsum versessen zu sein“. Bewusst gelebte Einfachheit und Genügsamkeit ist etwas Befreiendes.

Einfacher Lebensstil und Kultur der Achtsamkeit

Die Enzyklika ist eine Einladung zu einem einfacheren Lebensstil und zu einer Kultur der Achtsamkeit, zu dem die franziskanische Spiritualität wichtige Impulse geben kann. Sie ist für uns Schwestern und Brüder der Franziskanischen Familie Herausforderung und Verpflichtung, unseren eigenen Lebensstil kritisch zu überprüfen.

Br. Stefan Federbusch, Vorsitzender der INFAG-Region Deutschland-Luxemburg-Belgien


Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:23