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Tauwetter 3-2014
Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg. Die neue Ausgabe der Zeitschrift Tauwetter beleuchtet die Rolle und das Selbstverständnis der Franziskaner in dieser Zeit. Deutlich wird die Ambivalenz der Ordensleute zwischen „Krieg und Frieden“ und die Spannung zwischen der Verpflichtung zum Frieden der franziskanischen Ordensregel und der allgemeinen zumindest anfänglichen Kriegsbegeisterung.


Editorial

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ist geprägt durch die beiden Weltkriege mit 17 bzw. mehr als 60 Millionen Toten. Am 28. Juni 1914 wurden der Erzherzog Franz Ferdinand und seine Ehefrau Sophie in Sarajevo ermordet. Am 28. Juli 1914 erklärt Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Das Attentat war der Auslöser des Ersten Weltkrieges (1914-1918). Mit dem Überfall auf Polen am 1. September begann 25 Jahre später der Zweite Weltkrieg (1939-1945).

Der 100. bzw. 75. Jahrestag des jeweiligen Kriegsbeginns sind Aufforderung und Chance, die eigene Position kritisch in den Blick zu nehmen. Wie haben sich Franziskaner zum Krieg positioniert – Ordensleute, von denen aus heutiger Sicht zu erwarten wäre, dass sie sich eindeutig gegen den Griff zur Waffe und für den Frieden aussprechen. Jedes Handeln ist jedoch eingebettet in den Kontext der jeweiligen Zeit.

Die Beiträge dieser Tauwetter-Ausgabe verdeutlichen die Ambivalenz der Haltung der Ordensgemeinschaft als ganzer „zwischen Krieg und Frieden“ und die unterschiedlichen Positionen und Verhaltensweisen einzelner Mitglieder. Es ist erschreckend zu lesen, wie sowohl evangelische als auch katholische Bischöfe und Geistliche den Krieg instrumentalisierten als „Quelle sittlicher Stärkung“ und die „Religion des Schlachtfelds“ entwarfen. Als treuer und zuverlässiger Christ erweist sich aus ihrer Sicht der, der kaisertreu in den Krieg zieht und damit bereit ist zu töten, nicht aber jener, der den Waffengang verweigert. Dies gleicht fatal dem Aufruf zum Kreuzzug zurzeit von Franziskus, als ebenfalls im krassen Gegensatz zum Evangelium der als glaubenstreu dargestellt wurde, der zum Schwert greift. Einziger Unterschied: Während Papst Innozenz III. im 13. Jh. zum Kreuzzug aufrief, bemühte sich Papst Benedikt XV. im 20. Jh. mit allen Kräften vergeblich um Frieden. Auch bei den Franziskanern erwiesen sich die Zeitumstände stärker als das Vorbild ihres Ordensvaters Franziskus, der die Botschaft Jesu über die päpstlichen Anordnungen stellte und sich von Kirchenausschluss-drohungen nicht schrecken ließ.

Seit dem II. Weltkrieg sind weitere 25 Millionen Menschen durch kriegerische Auseinandersetzungen ums Leben gekommen. Nach der Maueröffnung vor 25 Jahren (9. November 1989) und einer Phase relativer Stabilität nehmen die Konflikte insbesondere in den Ländern des Nahen Ostens und einigen Regionen Afrikas zu. Damit stellt sich die Frage des friedenspolitischen Engagements Deutschlands. Die Mahnung von Bundespräsident Joachim Gauck zu mehr militärischem Einsatz und die Anschaffung von bewaffneten Drohnen für die Bundeswehr haben zu kontroversen Diskussionen geführt. Deutschland „glänzt“ vor allem durch Waffenexporte, weniger durch Einsätze von Friedensarbeitern. Die Erfahrungen der Vergangenheit und unsere franziskanische Spiritualität sind gleichermaßen Verpflichtung für ein Engagement zum Frieden.

Eine gewinnbringende Lektüre wünscht mit pax et bonum = Frieden und Gutes das Tauwetter-Team!

Zwischen Krieg und Frieden
Franziskaner im Ersten und Zweiten Weltkrieg


Inhaltsverzeichnis

Editorial

Wir bleiben dabei: Frieden schaffen ohne Waffen
Jeder Krieg ist eine Niederlage der Menschheit

Die deutschen Katholiken im Ersten Weltkrieg
Gehorsam: Auftrag katholischer Christen

Heinrich Misalla

Christliche Kriegsrethorik

Franziskaner im Ersten Weltkrieg

Gisela Fleckenstein ofs

Deutsche Franziskaner als Soldaten im Zweiten Weltkrieg
„… kein Nekrolog, dafür Geburtstag, Professtag + Todestag, dazu ein Gebet. Wir wollen hoffen, dass es nicht nötig ist.“

Damian Bieger ofm

Erinnerungskultur in Deutschland

Franziskus – Mann des Friedens
„Wie ihr den Frieden mit dem Mund verkündet, so und noch mehr sollt ihr ihn in eurem Herzen tragen“ (Gef 58)

Stefan Federbusch ofm

Friedensgebet von Papst Franziskus

Buchtipp 1: Claude K. Dubois, Akim rennt
Buchtipp 2: Martin Lätzel, Die Katholische Kirche im Ersten Weltkrieg

„Bauleute des Friedens“
Franziskanische Friedensarbeit heute

Stefan Federbusch ofm

Homepages

Literatur

Die Ausgabe kann unter www.tauwetter-online.de als Download heruntergeladen werden.

Die Printausgabe ist zu beziehen über:
Redaktion Tauwetter, Gemeinschaft der Franziskaner, Burgstr. 61, 51103 Köln; Mail: redtauwetter@aol.com

Br. Stefan Federbusch


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:23