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600 Jahre Konstanzer Konzil (1414-1418)
Vom 5. November 1414 bis 22. April 1418 fand in der Stadt am Bodensee das Konstanzer Konzil statt. 1417 gelang es, das seit 1409 mit drei Päpsten bestehende Schisma zu beenden. Kirchenpolitisch und theologiegeschichtlich bedeutsam ist das Dekret, das festlegte, dass das Konzil über dem Papst steht.

Mit dem Konzil ist auch der gewaltsame Tod von Jan Hus verbunden. Dem Konzil gelang es nicht, notwendige Reformen einzuleiten und reformatorische Strömungen wieder an die katholische Kirche anzubinden.


UNERBITTLICHES RINGEN

600 JAHRE KONSTANZER KONZIL


»Über die ganze Erde erging der Name von Konstanz, und dieser Name wurde auf der ganzen Welt verbreitet«, so berichtete es Ulrich Richental, Chronist des Konstanzer Konzils (5. November 1414 bis 22. April 1418). Und die Welt kam nach Konstanz, zum ersten Konzil nördlich der Alpen.


Das Konzilsgebäude am Hafen von Konstanz

Aus der ganzen Christenheit kamen Gesandte und Delegationen von Lissabon bis Konstantinopel, von Uppsala bis Damaskus, ja sogar aus Äthiopien. Über 70.000 Menschen beherbergte die Stadt in jener Zeit. Sie wurde zum Schmelztiegel der Kulturen und zum Ort des Austausch von Wissen und Waren.


Herkunftsorte der Teilnehmer des Konstanzer Konzils

Ein Grund, warum der deutsche König und spätere Kaiser Sigismund und Papst Johannes XXIII. ein Konzil einberiefen, war das seit mehr als 30 Jahren währende große abendländische Schisma, also eine Kirchenspaltung mit seit 1409 sogar drei Päpsten. Dieses Schisma galt es zu beenden und damit den drohenden Zerfall der katholischen Kirche zu verhindern. Dazu mussten die drei schismatischen Päpste abgesetzt werden, um so den Weg für die Wahl eines neuen einzigen Papstes frei zu machen. Es war ein zähes und unerbittliches Ringen unter den Konzilsvätern.


Die Statue „Imperia“ wurde 1993 von Peter Lenk entworfen und im Hafen von Konstanz aufgestellt. Die Kurtisane trägt auf ihrer linken Hand eine Figur mit Tiara, auf der rechten eine mit Krone.


„... Es handelt sich bei den Figuren der Imperia nicht um den Papst und nicht um den Kaiser, sondern um Gaukler, die sich die Insignien der weltlichen und geistlichen Macht angeeignet haben. Und inwieweit die echten Päpste und Kaiser auch Gaukler waren, überlasse ich der geschichtlichen Bildung der Betrachter. ...“ (Peter Lenk)


(c) Nachweis für alle Bilder: Br. Stefan Federbusch

Letztlich war es König Sigismund zu verdanken, dass die verschiedenen machtpolitischen Interessen gebündelt werden konnten und die Versammlung so lange zusammen blieb, bis gerade diese Hürde genommen war. Zwei entscheidende Dekrete mussten hierfür verabschiedet werden: Das erste Dekret legte fest, dass das Konzil über dem Papst steht, das zweite hatte die Verpflichtung auf regelmäßig einzuberufene Konzilsversammlungen zum Inhalt. Schließlich gelang es, die bisherigen Päpste abzusetzen und 1417 hieß es endlich: »Habemus Papam - Wir haben EINEN Papst.«

Die katholische Kirche war mit Martin V. wieder unter einem Papst vereint - und ist es bis heute. Daneben wurde große Politik betrieben: Frankreichs innenpolitische Konflikte waren ebenso Thema wie die Konflikte des Deutschen Ordens mit dem Königreich Polen-Litauen. Auch zwei Reichstage wurden abgehalten. Durch die ¡n Konstanz erfolgte Belehnung des Burggrafen von Nürnberg mit der Mark Brandenburg und dem damit einsetzenden Aufstieg der Grafen von Hohenzollern, wurde der Grundstein für das spätere preußisch-deutsche Kaiserreich gelegt.

Dringend notwendige innerkirchliche Reformen konnten in Konstanz aber nicht mehr auf den Weg gebracht werden. So gelang es nicht, reformatorische Strömungen wieder an die katholische Kirche anzubinden. Der böhmische Reformator Jan Hus trat in Konstanz für eine Erneuerung des Glaubens ein. Unter anderem wendete er sich gegen die Selbstgefälligkeit des Klerus’ und den moralischen Verfall innerhalb der Kirche und vertrat die Idee einer armen Kirche. Nun hoffte er auf Reformen. Stattdessen wurde er festgenommen und 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Nach seiner Hinrichtung folgten Tumulte in Böhmen, die in den Hussitenkriegen gipfelten. Das tragische Schicksal des Jan Hus wirft bis heute einen langen Schatten über das Konzil. Reformatorische Gedanken breiteten sich weiter aus und mündeten ein Jahrhundert später in der Reformation. Das Konstanzer Konzil war mehr als eine Kirchenver-sammlung. Es war ein Weltereignis und für das Selbstverständnis Europas ein Meilenstein. Man wird sagen dürfen, in Konstanz wurde die Welt ein Stück weiter bewegt.

Thomas Hammer, Pastoralreferent

Für jedes Jahr gibt es ein Thema:
2014 ist das »Jahr der europäischen Begegnungen«,
2015 ist das »Jahr der Gerechtigkeit«,
2016 ist dem »lebendigen Mittelalter« gewidmet,
2017 ist das »Jahr der Religionen« und
2018 ist das »Jahr der Kulturen«.


2015 gibt es ¡n Konstanz ganzjährig vielfältige Möglichkeiten, auf den Spuren des Konzils zu wandeln: Fahrrad-Führungen, inszenierte Stadtführungen, neue Führungen zu Jan Hus, Geocaching, Musik, Theater- und Literaturveranstaltungen.

Lohnenswert: Die Ausstellung »Konstanz 1414 - städtischer Alltag zur Zeit des Konzils« im Rosgartenmuseum Konstanz

Quelle: Gemeindebrief St. Peter und Paul Hofheim,
Dezember 2014, S. 22-23


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:23