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Grundlagenseminar 2014 zu Lebensstil
Vom 21. bis 23. März 2014 fand in Hofheim das diesjährige INFAG-Grundlagenseminar für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung statt. 42 Teilnehmende beschäftigten sich mit dem Thema: „Unser Lebensstil und seine Auswirkungen - eine praktische Reflexion“. Dabei ging es um modellhafte Beispiele für ökologisch verantwortetes Handeln in den (Ordens)Gemeinschaften.


Unser Lebensstil und seine Auswirkungen –
eine praktische Reflexion


Niedrigenergiehäuser, Nachhaltigkeit, CO2-Emissionen – Begriffe, die zurzeit in den Medien und in den Köpfen umweltorientierter Menschen kreisen. Es geht recht turbulent zu und der Laie ist meist überfordert, sich in alle dem zurechtzufinden. Dabei handelt es sich doch um Auswirkungen eines allzu sorglosen und unreflektierten Umgangs mit dem, was Gott geschaffen und uns anvertraut hat. Anlass genug, das INFAG-Grundlagenseminar für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung unter das Thema „Unser Lebensstil und seine Auswirkungen – eine praktische Reflexion“ zu stellen. Nicht verwunderlich war daher die übergroße Zahl der Anmeldungen, auch von Personen, die keiner Ordensgemeinschaft angehören und für die die Interfranziskanische Arbeitsgemeinschaft (INFAG) jetzt zum ersten Mal die Teilnahme ermöglicht hat.


Der Referent Br. Bernd Beermann ofmcap
[Foto: Br. Stefan Federbusch]


Die Moderation hatte in bewährter Weise Franz-Josef Wagner, der zurzeit in Hamburg lebt, übernommen. Als Referent konnte der Kapuziner Bernd Beermann aus Münster gewonnen werden. Der promovierte Chemiker war von 2009 bis 20012 verantwortlich für das Büro für Gerechtigkeit und Frieden seines Ordens in Rom. Die Organisation lag in der Hand des Franziskaners und INFAG-Vorstandsmitglieds Stefan Federbusch; er ist seit vergangenem Jahr Leiter des Exerzitienhauses Hofheim, das sich als ausgezeichnetes Tagungshaus erwies und mit seiner modernen Ausstattung keine Wünsche offen ließ. Es bot sogar – ganz zum Seminarthema passend – vegetarische Kost.

Nach einem zur Besinnung einladenden Wort durch den Veranstaltungsverantwortlichen Jürgen Neitzert und der Begrüßung durch Stefan Federbusch begann Franz-Josef Wagner mit einer Vorstellungsrunde: Dabei wurde die große Bandbreite der vertretenen Ordensgemeinschaften, Schwestern wie Brüder, auch aus Österreich, Luxemburg, der Schweiz und den Niederlanden, und der nicht im Kloster lebenden Personen deutlich. Insgesamt waren 42 Teilnehmende zu dem Seminar angereist.


Arbeit in Kleingruppen zu Fragen des Energieverbrauchs
[Foto: Br. Stefan Federbusch]


Zur Einführung brachte Bernd Beermann einen Überblick über Daten, die den Verbrauch von Wasser, Strom und Wärmeenergie sowie dem Müllaufkommen verdeutlichten – Zahlen, die sicherlich einige Teilnehmende überraschten, beispielsweise die 127 Liter Wasser, die in Deutschland täglich pro Person verbraucht werden. Auch die darauf folgende Erklärung der mit dem Thema verbundenen Begriffe brachte die Problematik als Ganzes besser in den Blick: Mit „ökologisch“ ist hier all das gemeint, was im Einklang mit den natürlichen Prozessen steht. „Klimaneutralität“ bedeutet sodann, dass alle Vorgänge, die CO2 produzieren, wieder umkehrbar gemacht werden sollten. Und unter „Nachhaltigkeit“ ist ein Handeln zu verstehen, durch das auch den kommenden Generationen alles Notwendige zum Leben erhalten bleibt.

Hieraus ergaben sich dann die Felder, um die es in dem Seminar gehen sollte: Heizen, Strom, Wasser, Müll, Mobilität. Das Thema Mobilität brauchte nur kurz behandelt zu werden; denn gemäß der Pro-Kopf-Emission des CO2 konnte schnell eine Reihenfolge aufgestellt werden: Zu Fuß – Fahrrad – öffentliche Verkehrsmittel – Fliegen. Dass das Auto pro Person als große CO2-Schleuder anzusehen ist, lässt sich leicht einsehen: Es transportiert meist nur ein bis zwei Personen. Beim Müll genügte es, an ein sorgfältiges Trennen zu appellieren.

Schwieriger war es bei Heizung, Strom und Wasser. Hier mussten in Kleingruppenarbeit die Verbrauchswerte der Rechnungen untersucht werden, die die Teilnehmenden mitgebracht hatten. Es zeigte sich, dass der Pro-Kopf-Verbrauch in den Klöstern meist größer ist als bei Privathaushalten. Dies hat seine Ursache wohl darin, dass in den großen Konventsgebäuden nicht (mehr) viele Personen leben und auch Räume beheizt werden, die nicht nur den Ordensangehörigen dienen: beispielsweise Sprechzimmer und Kirchen. Grundsätzlich darf aber nicht gesagt werden, alte Klöster seien fürs Energiesparen grundsätzlich schlechter als neue. Die Erfahrung der Kapuziner in Münster etwa zeigt, dass alte dicke Gemäuer eine gute Isolierung bieten. Bei der Suche nach Maßnahmen, um den Verbrauch zu reduzieren, so legte Bernd Beermann dar, müssten immer drei Bereiche berücksichtigt werden: der ökologische, der soziale und der ökonomische. Nur das Zusammenspiel dieser drei führe zu einer befriedigenden Lösung. Würde ein Bereich vernachlässigt, könnte es später zu Problemen kommen.


Exkursionsgruppe in Gnadenthal
[Foto: Br. Markus Fuhrmann]


Der Samstag-Nachmittag bot die Gelegenheit, an einer von drei Exkursionen teilzunehmen: Die erste führte zu dem Bioland-Hofgut, das die ökumenische Jesusbruderschaft Gnadenthal unterhält, die zweite zu einer Musterhaussiedlung in Bad Vilbel, in der (auch) Passivhäuser – Gebäude mit höchster Energieeinsparung – zu sehen sind.


Werbeplakat für Passivhaus
[Foto: Franz-Josef Wagner]


Und die dritte war eine Einladung von Stefan Federbusch, das Exerzitienhaus Hofheim auf ökologische Verträglichkeit unter die Lupe zu nehmen.


Im Technikraum des Exerzitienhauses Hofheim
[Foto: Barbara Westphal]


Alle drei Exkursionen brachten zunächst die ernüchternde Erkenntnis, dass ohne die Berücksichtigung wirtschaftlicher Gesichtspunkte nichts machbar ist. Der Bioland-Hof Gnadental stand sogar einmal kurz vor der Insolvenz, weil dort nur auf ökologische Verträglichkeit geschaut worden war. Aber es bieten sich trotzdem genügend Möglichkeiten zu nachhaltigem Bauen und Handeln, zum Beispiel bei ohnehin anstehenden Renovierungsmaßnahmen. Schließlich darf auch an jeden einzelnen appelliert werden, sein Verhalten zu überdenken: beispielsweise sein Zimmer nur kurz, aber kräftig zu lüften statt ständig das Fenster auf Kipp zu lassen, oder das Fahren mit dem Pkw zu reduzieren. Der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt und meist kosten solche Maßnahmen auch nichts.

Das geschwisterliche Beisammensein der Mitglieder verschiedener franziskanischer Ordensgemeinschaften und der Einzelpersonen brachte eine wohltuende und engagierte Atmosphäre. Manche alte Kontakte konnten gepflegt und neue geschlossen werden. Nicht nur einen Rahmen, sondern die geistliche Mitte bildeten die Gebetszeiten an den beiden Abenden und am Samstag-Morgen sowie die Eucharistiefeier am Sonntag-Vormittag. Das Bewusstsein, dass es in dem Seminar letztlich um die Bewahrung von Gottes Schöpfung geht, kam hier ganz zum Ausdruck.

Br. Peter Fobes ofm


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:23