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Treffen assoziierter Gemeinschaften
Zu einem zweiten Treffen der Verantwortlichen für franziskanische Weggemeinschaften / assoziierte Gemeinschaften kamen am 22. Oktober 2014 im Exerzitienhaus in Hofheim 15 Teilnehmende zusammen, die elf unterschiedliche Gemeinschaften vertraten. Neben dem Kennenlernen ging es um die Frage, wie franziskanisches Charisma in Zukunft entfaltet werden kann und wie sich das Zusammenspiel zwischen Ordensgemeinschaft und assoziierten Mitgliedern gestaltet.


Treffen der franziskanischen Weggemeinschaften

Wer auf dem Weg ist, tut gut daran, sich mit seinen Weggefährten auszutauschen – Nach dieser Devise verfuhren am 22.10.2014 elf franziskanische Gruppierungen bei einer gemeinsamen Zusammenkunft in Hofheim (Taunus).


Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch

Für die meisten von diesen Gruppen trifft der Ausdruck „Assoziierte“ zu. Dazu zählen die assoziierten Mitglieder der Schwestern von der schmerzhaften Mutter der Region Deutschland / Österreich (SSM bzw. SSMa, wobei das „a“ für „Assoziierte“ steht), der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz, der Krankenschwestern vom regulierten Dritten Orden des hl. Franziskus, der Erlenbader Franziskanerinnen oder auch das TAU–Apostolat der Franziskus-Schwestern Mutterhaus Krefeld e.V. Vertreten waren auch Gruppierungen wie die Communität Christusbruderschaft (CCB) aus Selbitz mit der ihr zugeordneten Tertiargemeinschaft (TG), das Franziskanische Säkularinstitut Missionarinnen des Königtum Christi, die Gefährten des hl. Franziskus sowie der Ordo Franciskanus Saecularis (FG). Noch im Planungszustand befindet sich die von den Franziskanern vorgestellte Initiative „vivere“.


Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch

Aus dem Austausch der Gruppierungen, die einen großen Zeitraum innerhalb der Zusammenkunft einnahmen, gingen Horizonte franziskanischen Laienlebens hervor; diese sollen hier kurz angedeutet werden, nicht ohne hier und da einmal auf besondere Erfahrungen oder Fragestellungen vor Ort hinzuweisen. Am Schluss der Versammlung stellte sich das Plenum eine Aufgabe, deren Beantwortung bis zum nächsten Zusammentreffen in einem Jahr erfolgen soll.


Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch

„Das Franziskanische scheint dann eine Zukunft zu haben, wenn es sich in den säkularen Bereich begibt“ - mit dieser Formulierung brachte Pater Hermann Schalück eine Tendenz auf den Punkt, die sich in vielen Berichten der anwesenden Vertreter zeigte. Mehrmals tauchte der Begriff vom Herunterbrechen auf die Verständnisebene von heute auf. Aus den evangelischen Räten Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam werde dabei Bescheidenheit, eheliche Treue und Verfügbarkeit, so Herr Kießig von der Tertiargemeinschaft. Auch müsse im Blick sein, Formen in die heutige Wirklichkeit zu übersetzen. „Die Menschen haben ihre Lebensentscheidungen, davon holen wir sie nicht mehr weg!“ so Sr. Regina Fucik von der SSM. Auch gibt es immer wieder Bemühungen, Formate, also letztlich: Ausdrucksformen zu finden, die Jugendliche ansprechen, wobei man dabei vom franziskanischen Charisma ausgeht, so Frau Mund von der Franziskanischen Bewegung. Es gelte, die Originalität des Einzelnen zu entdecken und anschließend diesen je Einzelnen bzw. diese je einzelne in der Auferstehungsfreude wahrzunehmen, wertzuschätzen und einzuladen, wie man es aus den Worten von Pater Hermann ableiten konnte, der als Initiator von „vivere“ sprach.


Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch

In den Konstellationen des Ab- und Umbruchs bricht oftmals die Frage nach der Identität auf. So gibt es in einer Reihe von Gemeinschaften das Bestreben, durch Weiterbildung die eigene Spiritualität weiterzuentwickeln oder auf einen neuen Aufgabenbereich auszurichten, wie man es aus den Berichten der Vertreterinnen der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz bzw. der Krankenschwestern vom regulierten Dritten Orden heraushören konnte. Gelegentlich wird auch der umgekehrte Weg eingeschlagen: Man „tummelt“ sich – wie derzeit das TAU-Apostolat Krefeld - in einem neuen Aufgabenbereich, der sich vor der Weggemeinschaft aufgetan hat und bemerkt dann, dass sich durch dieses Tun die Frage nach Spiritualität neu stellt. Darüber hinaus gibt es natürlich immer wieder Fragestellungen, die die innere Struktur betreffen. Bei CCB und TG stellt sich dies so dar: Wie ist das Verhältnis von Drittordensgemeinschaft und der ihr zugeordneten Assoziiertengruppe? Wo sind Grenzen? Welches Verständnis vom Gemeinsamen liegt vor? Bei den Krankenschwestern vom regulierten Dritten Orden lautet die Frage eher: Wie ist unser Selbstverständnis und was bedeutet das für die Kommunikation unter uns? Wieder andere Gruppierungen wie die lokale FG in Fulda, für die Frau Mechthild Händler sprach, stellen fest: „Wir wollen aufgrund erprobten Tätig-Seins eigenständig sein!“ Und auch die Überschreitung der Struktur zeigt sich, wenn sich das zölibatär lebende Franziskanische Säkularinstitut die Frage stellt, wie künftig Menschen hineingenommen werden können, die nicht zölibatär leben. Auch die Frage der Partizipation erschien in der Runde: „Wo kann es heute durch franziskanisch bewegte Menschen gelingen, kurze Wege zur Teilhabe zu eröffnen für solche Menschen, die auf der Suche danach sind?“ - diese Frage bewegt die Initiatoren von „vivere“.

Vielfach hatte der Berichterstatter den Eindruck, dass hinter den Berichten oft die Frage nach der Überwindung von Vereinzelung stehe. „Wir tun nichts mehr allein, was wir nicht auch gemeinsam tun könnten!“, so Sr. Regina Fucik. Für die Erlenbader Co-Mitglieder stellt die erhebliche räumliche Entfernung der Gemeinschaftsmitglieder eine Belastung dar. Dennoch will man sich hier nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern den gemeinsam begonnen Weg in Treue weitergehen. Im Franziskanischen Säkularinstitut, bei der ebenfalls eine verhältnismäßig große räumliche Trennung eine Rolle spielt, sind Einkehrtage die Lösung zur Überwindung von Vereinzelung.

In dem Bestreben, die in der Runde spürbare gemeinsame Dynamik fruchtbar werden zu lassen, fand der Kreis zu einer gemeinsamen Aufgabe. Die Assoziierten und ihre jeweiligen Bezugsgruppierungen sollten folgende Frage beantworten: Wie ist das Verhältnis zwischen Ordensgemeinschaften und assoziierten Gemeinschaften in punkto Wohnformen, Arbeitsleben, Leitungsstruktur, Konfliktfelder, spirituelles Leben und Gemeinschaftsleben? Es wurde angeregt, mit dieser Fragestellung die nächste Zusammenkunft auszuschreiben. Mit Gebet und Segen endete das Treffen.

Stefan Klose


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:35