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Franziskanerin berichtet für Franciscans International über Menschenhandel
Franciscans International hat Sr. Stefanie Müllenborn FCJM aus Salzkotten eingeladen, in der UNO ihre Beobachtungen zu Menschenhandel und Zwangsprostitution einzubringen.
Seit fast 25 Jahren arbeitet sie im Bereich von Flüchtlingen, Asylsuchenden und Menschen-handelsopfern in Herten im Ruhrgebiet.
Sie versucht, die Menschen zu unterstützen, dass sie Schutz in Deutschland erhalten und Klärungen ihres Aufenthalts bekommen.


Franciscans International bat im März 2012 um Berichte aus Deutschland zur Altersarmut, Kleinwaffen-Rüstungsexporten und Zwangsprostitution. Im Februar 2013 erhielt Sr. Stefanie Müllenborn die Einladung von Franciscans International, dass sie bei der Pre-Session des Menschenrechtsrats (MRR) 2013 aussagen soll. Der Menschenrechtsrat MRR wird vom 22. April bis 3. Mai 2013 seine diesjährige Hauptverhandlung durchführen.

Zur Vorbereitung besorgte sich Sr. Stefanie eine Bahnfahrkarte nach Genf und überlegte sich, welche wichtigen Aussagen sie in der Redezeit von 5 Minuten vor dem Menschenrechtsrat formulieren wollte. Diese Chance zur Anwaltschaft in Menschenrechten wollte sie zum Nutzen der Zwangsprostituierten einsetzen. Sie als deutsche Basis-Franziskanerin kann durch die Arbeit von Franciscans International auf der internationalen Ebene aussagen und durch die Öffentlichkeit in der UNO Druck auf die deutsche Diplomatie ausüben. Das ist die kraftvolle Möglichkeit der weltweiten Franziskanischen Gemeinschaft, dass Menschenrechtsverletzungen an der Basis in den einzelnen Staaten erkannt werden und bei der franziskanischen Nicht-Regierungs-Organisation in der UNO eingebracht werden.

Da war guter Rat gefragt: Sie musste die Inhalte ihrer Aussagen konzentriert aussuchen und formulieren, hat diese dann ins Englische übersetzen lassen und zu Franciscans International gesendet. In der UNO sind nur 6 Sprachen möglich: Englisch, Französisch, Arabisch, Spanisch, Chinesisch und Russisch. Die Stellungnahmen aus diesen Sprachen werden während des Menschenrechtsrates in die anderen 5 Sprachen zeitgleich gedolmetscht. Wie wichtig ist eine gute Vorbereitung der Anwaltschaft!

Franciscans International sandte eine Woche vor dem UNO-Termin eine Bestätigung an Sr. Stefanie und eine Überarbeitung ihrer Eingabe in die „UN-Sprache“. Jetzt war Englisch-Unterricht angezeigt: Das Wörterbuch wurde gequält wegen den Aussprachen. Gute Bekannte mit Englischkenntnissen wurden angerufen, und sie trainierten Sr. Stefanie für ihre UNO-Stellungnahme – und sie hat gewiss nur fünf Minuten Redezeit!!! Die dauernde Reduzierung der Textabschnitte und die Überprüfung der englischen Inhalte auf ihre Arbeit in Herten und die vielen englischen Sprachübungen sind für sie nervenaufreibende Vorbereitungsprozesse auf den UNO-Termin gewesen.

Am Samstag, den 23. März, fuhr Sr. Stefanie mit der Bahn nach Genf und traf auf Br. Markus Heinze OFM bei Franciscans International. Wohnen konnte sie im Konvent der Franziskanerinnen Missionarinnen Mariens FMM in Genf. Am Montagmorgen traf sie einen weiteren engagierten Franziskaner aus Kamerun, Br. Bonface Diezoumbe, der in der Pre-Session des Menschenrechtsrats zu Kinderhandel in seinem Heimatland Stellung nahm. Gemeinsam stylten sie ihre Texte im Büro von Franciscans International für ihre Anwaltschaften. Um 12 Uhr fand die Sitzung in dem Gremium des Menschenrechtsrates statt. Sr. Stefanie sagte als vierte von vier Stellungnahmen aus. Sie konnte wirklich sehr ruhig ihre Stellungnahme vortragen, weil so viele Mitschwestern und Bekannte aus Herten für sie spürbar gebetet haben. DANKE! Br. Markus Heinze OFM war sehr angetan von der überzeugenden und betroffen machenden Stellungnahme von Sr. Stefanie. Auf jeden Fall wird dieses Anliegen aus Deutschland in der Hauptversammlung des Menschenrechtsrates im April / Mai 2013 vorgetragen.


Sr. Stefanie zum Probesitzen in einem der UNO-Säle

In der UNO ergab sich danach die Gelegenheit für Sr. Stefanie und Br. Markus Heinze, den bekannten deutschen Diplomaten und Sonderberichterstatter (Special Rapporteur) des Menschenrechtsrats für Sklaverei (Contemporary forms of slavery) Kai Baldow zu sprechen und ihn auf die Lage der Zwangsprostituierten in Deutschland hinzuweisen. Ebenfalls trafen sie den deutschen Experten Dr. Theodor Rathgeber vom Forum Menschenrechte, der Beobachter des Menschenrechtsrates ist und Anliegen des Forums Menschenrechte in die UNO vorbringt und darüber regelmäßig berichtet. Das waren zwei sehr bestärkende Kontakte für Sr. Stefanie, die möglich waren, weil Franciscans International auf dieser internationalen Bühne bei der UNO bekannt ist und harte Lobbyarbeit betreibt.

Am Dienstagmorgen hat Sr. Stefanie Br. Bonface Diezoumbe zum Thema „Kinderhandel in Kamerun“ zur UNO in dessen Anwaltschaft begleitet. Sie selbst hatte bei dieser Stellungnahme konkret eine Minderjährige aus Herten vor Augen, die in Kamerun Ähnliches erlebte, wie Br. Bonface Diezoumbe über Kamerun berichtete. Sie hat dadurch eine Bestätigung erhalten, was Unglaubliches die Minderjährigen beim Bundesamt für Flüchtlinge und Asylsuchende zu Protokoll gegeben hatte – quasi eine Fortbildung über Menschenrechte für Sr. Stefanie. Am Dienstagnachmittag besuchte sie die UNO in Begleitung von Michael Repellin, Mitarbeiter des Genfer Büros von Franciscans International. – Eine endlich kulturell entspannende Aktion!!

Am Mittwochmorgen war früh von Franciscans International ein Termin zur weiteren Lobby-Arbeit arrangiert worden mit Erzbischof Silvano Tomasi (Bild links), Apostolischer Nuntius des Vatikans. Er vertritt den Heiligen Stuhl bei der UNO in Sachen Menschenrechte. Ein sehr konstruktives und herzliches Gespräch fand statt.
Der Erzbischof ist sensibilisiert für Zwangsprostitution in Deutschland und für Kinderhandel in Kamerun.



v.l.n.r.: Budi Tjahjono, Sr. Stefanie Müllenborn FCJM, Br. Bonface Diezoumbe, Erzbischof Silvano Tomasi, Br. Markus Heinze OFM

Am Mittwochnachmittag trafen Br. Markus, Br. Bonface und Sr. Stefanie mit Purevdorj Vaanchig OHCHR zusammen. Er ist Menschenrechtsverteidiger in der Generalversammlung der UNO in New York – sie trafen ihn im Büro des Hochkom-missars der Vereinigten Nationen für Menschenrechte in Genf. Hauptthema war der Menschenhandel, der mit der Zwangsprostitution eng im Zusammenhang steht. Br. Markus hat wiederum gedolmetscht für Sr. Stefanie.


v.l.n.r.: Sr. Stefanie Müllenborn FCJM, Br. Markus Heinze OFM, Michael Repellin, Br. Bonface Diezoumbe, Herrn Purevdorj Vaanchig OHCHR

Am Gründonnerstag trat Sr. Stefanie die Rückreise an und traf pünktlich zur Gründonnerstags-Liturgie wieder in Herten / Ruhrgebiet ein. Nach diesem Erleben in Genf hat Sr. Stefanie viele Zusammenhänge auf internationaler Ebene erkannt und wird in ihren Vermutungen zu Lebens-geschichten von Asylsuchenden und Flüchtlingen bestärkt. Sie hat ebenfalls weitere Hinweise erhalten, wie sie Unrecht von Menschenrechtsopfern in Einzelschicksalen anprangern kann.

Wer kann ihr dabei helfen?? Sie bittet weiterhin um das begleitende Gebet in den täglichen Herausforderungen mit Hilfe- und Schutzsuchenden in Herten.

In Kooperation erstellt von Sr. M. Gertrud Smitmans OSF


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:23