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Himmlische Briefe an den neuen Papst
Gläubige auf der ganzen Welt sind begeistert von Papst Franziskus. Seine Spontaneität überrascht, seine Warmherzigkeit berührt – und dass er sich Franz von Assisi zum Namenspatron gewählt hat, lässt viele auf Reformen in Vatikan und Kirche hoffen.

Was würde Franz von Assisi dem neuen Papst raten, der mit seiner Namenswahl den großen Heiligen zum Maßstab seiner Amtsführung gemacht hat?


Franziskus von Assisi hat einige Briefe an Franziskus von Rom geschrieben. Diese fiktiven Briefe machen deutlich, worum es Franziskus vor 800 Jahren gegangen ist und welche Impulse dies für eine Kirche von heute sind.

* Bruder, nicht Herr und Oberer
* Schwestern und Brüder, nicht heilige Herrschaft
* Freude, nicht Zwang und Druck
* Armut, nicht Prunk und Herrlichkeit
* Teilen, nicht Besitzenwollen
* Volk Gottes, nicht Rangordnung
* Das Kind in der Krippe, nicht Macht
* Geschwister, nicht Ausgrenzung
* Einheit, nicht Einheitlichkeit
* Dialog, nicht Konflikt
* Brücken bauen, nicht verurteilen
* Wagnis, nicht Beharrung
* Respekt vor dem Leben, nicht Ausbeutung
* Aufbruch, nicht Angst


Die Briefe benennen in einfacher und klarer Sprache Schwerpunkte franziskanischer Spiritualität und damit franziskanischen Selbstverständnisses.
Angenehm ist, dass die Sprache weitestgehend in dem Sinne „neutral“ ist, dass sie auf Polemik verzichtet. Einige wenige kleine Ausrutscher lassen sich diesbezüglich feststellen, die der historische Franziskus so sicher auch in heutiger Zeit nicht gebraucht hätte wie „Betonköpfe in der Kurie“ oder „grottenschlecht“ (S. 78). Zu kritisieren ist auch, dass das Gebet „Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens“ unhistorisch Franziskus zugeschrieben wird, obwohl es erst Anfang des 20. Jh. in Frankreich entstanden ist (S. 96). Einige orthografische Fehler (S. 9: Bidtsum statt Bistum; S. 27: Zöller statt Zöllner; S. 97: Eruopa statt Europa) hätten lektoriert werden können.

Insgesamt ist zu fragen, inwieweit an manchen Stellen der anonyme Autor nicht zu stark seine eigene Auffassung von Kirche in das Denken und Schreiben von Franziskus projiziert, beispielsweise im Kapitel über die Stellung der Frau und die Ämterfrage in der Kirche. Alles in allem aber eine inspirierende Lektüre, die ermutigt, auch heute das Evangelium in der Akzentuierung von Franziskus zu leben und Kirche aus dem franziskanischen Geist heraus mit zu gestalten.
„Die Briefe wollen nicht nur den Papst, sondern alle Gläubigen ermuntern, mit Zuversicht die längst fällige Reform der Kirche anzupacken“ (Klappentext).

Bibliografie
Franz von Assisi
Lieber Bruder Franziskus
Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2013 Taschenbuch, Format 12 x 19 cm 144 S. Klappenbroschur
ISBN 978-3-8436-0446-8
Preis: 9,90 Euro


Hinweis: Der vorliegende Band ist in seiner gesamten Machart nahezu identisch mit dem Buch „Paulus – Lieber Bruder Benedikt“, in dem der hl. Paulus fiktive Briefe an Papst Benedikt schreibt, erschienen 2010 ebenfalls im Patmos Verlag der Schwabenverlag AG Ostfildern.

Die dortigen Kapitel lauten:
* Heiliger Vater oder Bruder?
* Lehrer oder Apostel?
* Gesetz oder Freiheit?
* Buchstabe oder Geist?
* Sicherheit oder Wagnis?
* Christus an sich oder für uns?
* Religiöse Organisation oder Leib Christi?
* Herren des Glaubens oder Diener der Freude?
* Mann oder Frau?
* Hierarchie oder Diakonie?
* Opferritual oder Herrenmahl?
* Einheit oder Einheitlichkeit?
* Griechen oder Juden?
* Rückschritt oder Aufbruch?


Br. Stefan Federbusch


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:35