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INFAG-Auszeit in Waldbreitbach
Vom 08.-10. Mai 2013 fand in Waldbreitbach das Infag-Seminar für Schwestern und Brüder in Leitungsfunktion statt. Die Auszeit stand unter dem Motto "Der Gang übers Wasser. Was mir hilft, nicht im Alltag zu versinken". Thematische Impulse und Austausch, aber ebenso Zeiten der Stille und des Gebetes prägten die Tage. Ein Erfahrungsbericht...


"Der Gang übers Wasser.
Was mir hilft, nicht im Alltag zu versinken"

Unter diesem Motto trafen sich zehn Schwestern und Brüder in Führungsaufgaben aus sechs verschiedenen franziskanischen Gemeinschaften, um miteinander inne zu halten und dem nachzuspüren, was im Alltag trägt.

Müde und abgespannt, aber auch neugierig auf das, was mich erwartet, treffe ich gerade noch rechtzeitig im "Haus Mutter Rosa" ein - einem freundlichen Seminarhaus auf dem weitläufigen Gelände des Mutterhauses der Waldbreitbacher Franziskanerinnen.


Gruppenbild der an der "Auszeit" Teilnehmenden

Bei der Einführung lassen wir uns von einem Brief ansprechen, den Bernhard von Clairvaux an seinen früheren Mönch Papst Eugen III. geschrieben hat: „Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäfti-gungen (....) Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst..." Dieser Satz fällt in mich hinein und ich ahne, wie nahe ich an dem Punkt bin, an dem ich nicht landen will.

Mein Blick fällt auf die vielen Schlüssel, die in der Mitte ausgelegt sind. Wir werden eingeladen, einen zu wählen, der gerade für mich passt. Ich greife nach einem schlichten Schrankschlüssel und stelle mir vor, ich könnte - im übertragenen Sinn - damit einen Schrank aufschließen mit schützender, zu jedem Wetter passender Kleidung - für mich und für alle, die zu mir kommen.

Der folgende Tag ist voller Überraschungen. Zu Beginn der ersten Einheit erhalten wir ein Geschenk: "Zeit-Geschenk 60 Minuten – Sie dürfen sie für sich gestalten, wonach Ihnen zumute ist…“



Ich schlüpfe in meine Wanderschuhe, lege einen Pulli um die Schultern und gehe ins Freie. Die Klostergebäude schmiegen sich in die Hügel des jetzt üppig blühenden Westerwaldes. Ich sehe das zarte Grün der Wiesen, Sträucher und Bäume, blühende Kirschbäume und gelb leuchtende Wiesen. Es duftet nach Flieder…und Kastanie…. ich höre den Vögeln zu und nehme wahr, wie der Wind mein Gesicht streichelt. Schritt für Schritt lasse ich Gedanken, Gesprächsfetzen der letzten Tage und innere Anspannung los, atme sie aus und überlasse sie dem Wind. Das nächste Geschenk erwartet uns bei der Rückkehr: eine Imagination führt uns zurück in unseren Alltag, an unseren Schreibtisch. Dort finde ich ein Kuvert für mich persönlich und lese beim Öffnen: „Gutschein für einen geschenkten Tag - sofort einzulösen“. Durch den ersten Widerstand „Das geht nicht!“ werden wir sanft hindurchgeführt und jede darf erleben, wie sie sich an einem Lieblingsort wiederfindet, dort die Ruhe atmet und schließlich etwas mit zurücknimmt in den Alltag, was sie mitten in den Aufgaben er-innern wird.

In der Mittagszeit nehmen wir das Angebot war, die „Rosa-Flesch“-Ausstellung zu besuchen. In drei Räumen ist das Leben der Gründerin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen liebevoll und ausdruckstark ins Bild und ins Wort gebracht. Wir ahnen etwas von der Kraft dieser Frau, die unbeirrbar ihren Weg gegangen ist – auch dann, als sie zurückgesetzt und vergessen wird. Das Gesetz des Weizenkorns….

[Glasfenster mit Bild der Gründerin in der Mutterhauskapelle]

Am Nachmittag lassen wir uns inspirieren von Texten aus Celano. Wir hören, wie Franziskus seine Gefühlen freien Lauf ließ und gesungen und getanzt hat, wenn er „seine Melodie“ in sich hörte. In gleicher Weise ermahnte er die Brüder, „für den Bruder Leib mit Klugheit zu sorgen“.



Wir begleiten nun einen Tag im Leben Jesu – beginnend mit der Taufe (ich bin geliebt…seine Tochter, sein Sohn…) über die Wüste (meine Grenzerfahrungen) hin zur Sendung in einen übervollen Tag (und er heilte viele…. aber nicht alle!) - bis zu dem Punkt, an dem Jesus sich zurückzieht und seine Jünger einfach mitnimmt - obwohl alle ihn suchen (ja, ich darf mich zurückziehen, ich hab nicht nur ein Recht darauf….es ist wichtig!).



Wir verweilen meditativ bei den einzelnen Orten und lassen die Gedanken einmünden in die Feier der Danksagung am Abend. Ganz neu erkenne ich, wie wir täglich das größte Geschenk unseres Lebens in Händen halten und in uns aufnehmen dürfen.
Eine lockere Abendrunde in offener Gesprächsatmosphäre und brüderlich-schwesterlichem Austausch rundet den Tag ab.



Am nächsten Morgen ist „Nachlese“. Wir tauschen aus, was sich uns neu erschlossen hat – und welchen Schlüssel wir jetzt wählen würden. Für alle ist es letztlich das neu gewonnene und erlebte Erkennen: Es ist nicht nur erlaubt, es ist essentiell, sich Auszeiten zu gönnen. Wir sammeln, wie das für jede(n) von uns ganz konkret im Alltag aussehen kann. Ich für mich plane, dass ich im Terminkalender einen Tag im Monat freihalten werde – und das vorab jeweils absprechen werde, um die Verbindlichkeit für mich zu erhöhen. Mit neuer Frische treten wir die Heimreise an und bekommen einen Satz des Hl. Franz von Sales mit auf den Weg: „Geh täglich eine halbe Stunde in die Natur – außer, wenn du viel Arbeit hast. Dann geh eine ganze Stunde!“

DANKE an alle, die diese Tage geplant und gestaltet haben – DANKE an alle, die uns verwöhnt und umsorgt haben – wir sind „der Melodie unseres Herzens“ ganz nahe gekommen!

Sr. M. Martina Selmaier

Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:23