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Die evangelischen Räte – Menschwerden in Freiheit
Vom 30. April bis 4. Mai 2012 fand in Haus Ohrbeck die Noviziats- und Junioratsschulung der Föderation „Caritas Pirckheimer“ der deutschsprachigen Klarissen mit Schwester Pernela Schirmer OSF (Bamberg) zum Thema „Die evangelischen Räte – Menschwerden in Freiheit“ statt.


Ist uns diese Sehnsucht nicht allen gemeinsam: Menschwerden in Freiheit?!? Egal, ob Novizin, Juniorin, Noviziatsleiterin oder Äbtissin?!?
Von daher ist es gut und inzwischen auch schon bewährt, dass sich sowohl die in der Ausbildung befindlichen Klarissen als auch die für deren Ausbildung Verantwortlichen einmal im Jahr gemeinsam in Haus Ohrbeck treffen, um miteinander ein vorgegebenes Thema zu erarbeiten und sich dabei auf ein gemeinschaftliches Verwurzeln in die franziskanisch-klarianische Familie einzulassen ( = „Klarissenwerdung“).



So geschehen auch in diesem Jahr – und zwar nun zum fünften Mal in Folge. Der Einladung von Schwester Magdalene Bauer OSC (Kevelaer), die diese Schulungen im Auftrag der Föderation „Caritas Pirckheimer“ der deutschsprachigen Klarissen dankenswerterweise organisiert, folgten dieses Mal eine Novizin, fünf Juniorinnen, fünf Noviziatsleiterinnen (darunter zwei Äbtissinnen) und wiederum der Ordensassistent Pater Klaus-Josef Färber OFM aus Essen, der sich wie immer ganz selbstverständlich unter die fröhliche Schwesternschar mischte und auch die täglichen Gottesdienste mit uns feierte.

Vor dem Weihnachtsfest werden zuweilen Karten verschickt mit dem Spruch: „Mach’s wie Gott: werde Mensch…!“ Mensch werden?!? Zugegeben: Als Menschen sind wir ja geboren, uns allen ist das menschliche Leben geschenkt, das wir ganz individuell entfalten dürfen. Und doch: wir sind und bleiben immer auf dem Weg, egal ob Jugendliche, Mutter, Banker, Lehrer, Novizin, Jungprofesse oder Äbtissin. Der Prozess der Menschwerdung gilt für jede/n gleichermaßen. Gott möchte nicht nur, dass wir leben – schon gar nicht, dass wir nur so vor uns hinleben –, sondern dass wir das Leben in Fülle haben, dass wir Ja sagen zu diesem Leben und es in Freiheit gestalten. Und dass wir zu Menschen werden nach Seinem Bild, wie Er uns gedacht hat. Und genau dabei können und möchten uns die Evangelischen Räte eine Hilfe sein. Wenn Klara ihre Regel mit den Worten beginnt „Die Lebensweise des Ordens der Armen Schwestern, die der selige Franziskus aufgestellt hat, ist diese: Unseres Herrn Jesu Christi heiliges Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit.“ (KlReg1,1), so gilt es, dass wir uns intensiv mit diesen drei Gelübden beschäftigen und danach fragen, wie sie uns dabei helfen können, in Freiheit Mensch zu werden. In Jesus ist Gott Mensch geworden und wir dürfen danach fragen, wie Er bei uns, bei mir ankommen und eine Bleibe finden kann.

Mit großer Geduld, behutsamem Einfühlungsvermögen und abwechslungsreichem Ideenreichtum verstand es die diesjährige Referentin Schwester Pernela Schirmer von den Dillinger Franziskanerinnen, uns elf Schwestern und einen Bruder während dieser gemeinsamen Tage zur vertieften Beschäftigung mit den einzelnen Evangelischen Räten anzuregen, sich damit auseinanderzusetzen, sich anfragen zu lassen, sich darüber auszutauschen und Denkanstöße zu geben. Dabei wechselten die Methoden von Einzel-, Klein- und Großgruppenarbeit bis hin zu ausgearbeiteten „Inputs“, und es gab viel Raum für vielfältige Begegnungen und für das Einbringen kreativer Elemente. Von daher gestaltete sich diese Schulung eher als ein lebendiger Workshop, der viel Raum zur schöpferischen Entfaltung und für Spontanes ermöglichte. Und dies war – einmal abgesehen von der thematischen Erarbeitung – insofern ein überaus großes Geschenk, als dadurch auch die „familiären Bande“ untereinander weiterhin gestärkt und gefestigt wurden und wir uns immer intensiver und vertrauter miteinander auf dem Weg wissen – einem Weg der Menschwerdung und einem Weg der „Klarissenwerdung in franziskanischer Freude“…

Wir danken Schwester Pernela sehr für den Reichtum dieser Tage, den sie uns weniger als uns gegenüberstehende Referentin geschenkt hat, sondern vielmehr als im Herzen der franziskanischen Spiritualität verorteter Mit-Schwester, die sich genauso wie wir alle auf dem Weg der Menschwerdung befindet und uns auf authentische Weise die Augen und die Herzen zu öffnen verstanden hat.

Ausgerüstet mit dieser Offenheit und den vielfältigen Erfahrungen dieser Tage, durften wir wieder jeweils an die Orte zurückkehren, an die wir gestellt sind, um dort mithilfe der einzelnen Evangelischen Räte unser gemeinschaftliches Ordensleben zu gestalten und in Freiheit Mensch zu werden – fröhliche Klarissen sind wir ja inzwischen schon!

Sr. M. Franziska Katharina OSCcap


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:35