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Ein Hund geht den Franziskusweg
„Ein bekehrter Mörder geht den Franziskusweg“,
„Ein ehemaliger Drogenabhängiger geht den Franziskusweg“ - all das wären Buchtitel, die man bei Pilgerberichten akzeptieren würde. Aber „Ein Hund (!) geht den Franziskusweg“ - da ist im ersten Moment auch dem Buchkritiker des „antonius“ die Luft weggeblieben. Hat sich da etwa ein Hund bekehrt? Hat er vielleicht auch noch Wallfahrtslieder gesungen?


Pecorino und die Kunst des Pilgerns

Schon nach dem Prolog wird aber klar, worum es wirklich geht. Der bekannte Fotograf Toni Anzenberger, sein Hund Pecorino und der Journalist Claudio Honsal wanderten nach Assisi, der Stadt des großen Heiligen und Tierfreundes Franz von Assisi. Die drei Freunde starteten ein 300 km langes Teilstück des so genannten Franziskusweges im italienischen Dovodola und gelangten nach zwölf Tagesetappen ans Ziel.

Das Originelle an dem Reisebericht ist die Erzählperspektive: Pecorino, der haarige Vierbeiner, schildert „so wie ihm die Schnauze gewachsen ist“ die Erfahrungen dieses eindrucksvollen, spannenden und besinnlichen Fußmarsches. Das taschengroße Büchlein ist bestückt mit vielen kunstvollen Landschafts-Fotos und gliedert sich, den Tagesetappen entsprechend, in zwölf Kapitel.

Der Hund, dem angeblich sogar ein echter Pilgerpass ausgestellt wurde, erfährt beim Aufstieg auf den Berg La Verna, dass Pilgern schön, aber auch sehr anstrengend sein kann: „Man ist Franziskus, seinem Gedankengut und der Natur hier etwas näher - nicht nur aus der Hundeperspektive. Das fällt mir auch auf, wenn ich die Gesichter meiner beiden Mitpilger betrachte. Ihr Ausdruck wechselt zwischen Begeisterung über den beeindruckenden Ausblick und stillem Staunen über die Mystik des Ortes. Beinahe andächtig wandern wir weiter über den steilen, gepflasterten Pfad bergauf zur Klosterpforte. Geschätzte 25 Prozent dürfte die Steigung betragen. Die Sonne brennt durch die dichten Baumwipfel, der Schweiß tropft von den Menschenstirnen, meine Zunge wird länger und länger (...)“

Pecorino berichtet aber nicht nur von den Eindrücken der Reise, sondern erzählt auch Anekdoten aus seinem Hundeleben mit Herrchen Toni. Claudio Honsal übernahm die „Stimme“ des Tieres und sorgt mit pointierten Spitzzüngigkeiten beim Lesen für den ein oder anderen Schmunzler eine Heiterkeit, die dieses Buch von den meisten anderen Wallfahrtsberichten unterscheidet.
Fazit: Einem Hund die Schilderung einer Pilgerreise ins „Maul“ zu legen, ist eine „tierische“ Idee, die hier gelungen verwirklicht wurde.

Br. Philipp Klinger OFM

Toni Anzenberger & Claudio Honsal
Pecorino und die Kunst des Pilgerns. Ein Hund geht den Franziskusweg.
Residenz-Verlag; 17,90 Euro.


Quelle: antonius, 5/6 2011, S. 15


Die Augen des Glaubens sehen weiter

Der größte Schatz, den ein Geistlicher an die Menschen weitergeben kann, ist der Reichtum seiner Gedanken. Genau so ein Schatz steckt in der neuen Publikation des Franziskanerpriesters, Theologen und Philosophen P. Willibald Hopfgartner. „The best of“ - sagt man in der Musikbranche zu einer Sammlung gelungener Werke.

Im Fall von „Die Augen des Glaubens sehen mehr - Orientierung in unübersichtlicher Zeit“ handelt es sich nicht nur um eine Sammlung tiefer Gedanken, die die Grundlage für viele Predigten und Zeitungsbeiträge des Franziskaners gebildet haben, sondern auch um eine besondere Auswahl visueller Elemente: Fotos, Malereien und Skulptur-Abbildungen. Bereits das Coverbild des Buches lässt erahnen, was den Leser erwartet: Der Prophet Samuel, der mit dem Finger auf sein Auge zeigt, bezeugt vor König Saul sein Sehen, sein ganzheitliches Sehen. Das ist eine Sehnsucht, die den Menschen von alters her begleitet.

Inhaltlich gliedert sich das fast 200 Seiten umfassende, handgroße Büchlein in drei Kapitel. Der kunstkundige Geistliche beginnt seine geistige Arbeit mit den Quellen der Existenz, widmet sich weiter der Gesellschaft mit kritischen Überlegungen und Beobachtungen und kommt schließlich auf die Geheimnisse Gottes zu sprechen. Die einzelnen Kapitel umfassen je 20 - 23 Themen, welche einzeln auf knapp zwei Seiten klar verständlich und stichhaltig erörtert werden. So spiegeln sie, fast wie Kurzgeschichten anmutend, die Gedankenwelt des Autors wider, der auch am Bozner Franziskanergymnasium Deutsch, Philosophie und Religion unterrichtet.

Ein Gedanke, zum Beispiel, befasst sich mit der Einsamkeit. „Fruchtbare Einsamkeit“ ist der Titel. Der Franziskaner spricht hier von zwei Arten des Alleinseins: Die eine, die schmerzlich weh tut und nur durch Zuwendung geheilt werden kann, und die andere, die Frucht bringt: „Es gibt aber auch eine Einsamkeit, die dem Menschen wesentlich, die fruchtbar und notwendig ist. [...] Diese innere Einsamkeit ist schließlich der Quellgrund der Gottesbeziehung. Ja, noch mehr: Diese Einsamkeit ist die Voraussetzung für die ewige Seligkeit. [...] Man darf diese Einsamkeit nicht zudecken oder vergeuden im rastlosen Überall dabei sein wollen, das heute so vielen erstrebenswert erscheint.“

P. Willibald Hopfgartner schafft es mit Feingefühl und philosophischer Tiefe, vergessene Fragen nach Hintergründen wieder zu aktualisieren bzw. dem gewohnten Blick auf die Wirklichkeit seine Selbstverständlichkeit zu nehmen. Lassen Sie sich inspirieren!

Br. Philipp Klinger OFM

Willibald Hopfgartner
Die Augen des Glaubens sehen weiter. Orientierung in unübersichtlicher Zeit.
Athesia-Verlag; 14,90 Euro.


Quelle: antonius 3/4 2011, S. 15


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:34