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Franziskanisches Engagement in Japan
Brüder der ehemaligen deutschen Franziskanerpro-vinzen Saxonia und Thuringia sind in Japan als Missionare tätig und berichten von der Situation vor Ort.

Im folgenden ein Bericht von Br. Hubert Nelskamp ofm sowie des japanischen Provinzials Br. Paul Jun Hasegawa ofm.




Bericht
des Provinzials Br. Paul Jun Hasegawa ofm
(19. März 2011):

Download: Brief Provinzial





Brief
von Br. Hubert Nelskamp ofm (17. März 2011):

Liebe Freunde in der Heimat!
Dank für Eure Sorge. Am Fernsehen wird wohl ausführlich über die Lage hier in Japan berichtet werden.

Das größte Interesse richtet sich jetzt auf die Lage der Atommeiler an der Küste, die durch das Erdbeben und anschließenden Explosionen schwer beschädigt wurden. Die Lage ist noch nicht unter Kontrolle und die Gefahr einer größeren Radioaktivität noch nicht gebannt. Die deutsche Botschaft hat ihren Sitz nach Osaka verlegt und rät allen Deutschen, nach Osaka zu gehen oder in die Heimat zurück zu kehren. Tausende von Menschen von der Ostküste aus dem Erdbebengebiet werden hier an die Westküste gebracht und in Turnhallen untergebracht. Das ist die Angst vor der unsichtbaren Gefahr der Radioaktivität. Aber ein Ostwind könnte auch uns hier in Mitleidenschaft ziehen. Die Atommeiler sind gut 400 km von hier entfernt. 50 km von hier haben wir in der Nachbarschaft den größten Atommeiler der Welt, der vor 6 Jahren bei dem hiesigen Erdbeben auch beschädigt wurde, wenn auch nicht in diesem Masse. Der Traum von der Sicherheit der Atomkraftwerke dürfte wohl ausgeträumt sein.

Heute eine Woche nach dem Erdbeben ist die Lage für die Menschen in dem Erdbebengebiet noch prekär. Hunderttausende von Menschen leben in Notunterkünften (Schulen und dergleichen), zum großen Teil noch ohne Wasser und Strom. Die Versorgung mit Lebensmittel, Decken, Kleidung läuft an. Öl für die Heizöfen, Benzin für die Autos sind knapp, da die Verkehrswege vom Schutt des Erdbebens und der Tsunami erst geräumt werden müssen. Eine große Hilfswelle ist natürlich im ganzen Land ausgebrochen, was Lebensmittel, Kleidung und Spenden angeht. Viele freiwillige Helfer haben sich angeboten, um vor Ort zu helfen. Das Wichtigste ist jetzt, den Menschen direkt zu helfen, besonders den Älteren, Kranken und Kindern. Dazu kommt, dass wir jetzt wieder winterliche Temperaturen haben.

Unser Bischof ist vorige Tage in das Erdbebengebiet gefahren, um zu sehen, wie wir helfen können. Die Diözese von Sendai leitet die Hilfsmassnahmen. Kirchen sind im Wesentlichen wenig beschädigt, außer einigen, die direkt an der Küste liegen. Aber den Menschen in den Unterkünften kann sie direkt Hilfe zukommen lassen, soweit es jetzt möglich ist. Kirchen in der Nähe bieten Unterkünfte an, besonders auch für Ausländer. Langfristige Hilfe für Hunderttausende von Menschen, die alles verloren haben, ist der nächste Schritt. Zunächst muss die Infrastruktur wiederhergestellt werden, um an Neubau zu denken...

Auch hier ist geplant, für mehrere Stunden den Strom abzuschalten, um das Erbebengebiet mit Strom versorgen zu können. Benzin wird hier auch schon rationalisiert, da die Ölraffinerien in dem Erdbebengebiet noch brennen oder verkehrsmäßig nicht zu erreichen sind. In den Supermärkten sind die Regale zum Teil leer, da die Versorgung wegen Benzinmangel nicht klappt und bestimmte Produkte, die in dem Erdbebengebiet hergestellt wurden, ausgefallen sind. Aber das sind nur kleine Unannehmlichkeiten. Viele von Euch fragen an, ob Hilfe notwendig ist oder wie sie helfen können. Hier wird natürlich überall gesammelt, auch in den Kirchen. Was wir tun können, ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Caritas Japan und die Diozese Sendai helfen mit den Spenden direkt vor Ort den Menschen, die es am Notwendigsten haben. Wer gerne helfen möchte, kann sich an unsere Missionsprokur in Dortmund wenden...

In der Hoffnung, dass uns nichts Schlimmeres passiert, verbleibe ich mit herzlichen Grüssen.
Euer Hubert

Nähere Informationen unter: www.franziskanermission.de


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