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100 Jahre Bayerischer Missionsverein
Als Bruder Jakob Schauermann 1911 den Franziskaner-Missions-Verein in Bayern gründete, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, dass 100 Jahre später der Papst einen „Rat zur Förderung der Neuevangelisierung“ ins Leben rufen würde, um das Evangelium im alten Europa mit seiner fast 2000jährigen christlichen Geschichte neu einzupflanzen.
„Deutschland ist Missionsland geworden“, so ein Slogan bereits auf dem ersten Nachkriegs-Katholikentag 1948 in Mainz.
Jakob dagegen war noch ganz vom missionarischen Aufbruch des 19. Jahrhunderts getragen.


Missions-Boom im 19. Jahrhundert

Die innere Konsolidierung der Kirche nach Aufklärung und Säkularisation brachte auch ein neues missionarisches Bewusstsein mit sich. Allerdings bewegte sich dabei die „Heidenmission“ oft im Kielwasser der expansionistischen Kolonialpolitik Europas. Es entstehen eigene Missionsgesellschaften, um den Personalbedarf in den „Missionsgebieten“ zu sichern (Steyler Missionare, Spiritaner, Weiße Väter, Comboni-Missionare u.a.). Selbst bei den monastischen Orden führt die neue Missionsbegeisterung zu Neugründungen (Marianhiller Missionare, Missionsbenediktiner von St. Ottilien).


Ankunft der bayerischen Franziskaner-Missionare 1952 in Bolivien

Für das im Franziskanerorden neu erwachte Missionsbewusstsein spricht die Gründung des Kollegs S. Antonio in Rom 1884 als zentraler Ausbildungsstätte künftiger Missionare. Parallel schließen sich Laien zu Vereinen zusammen, um die Missionen finanziell und durch ihr Gebet zu unterstützen (Franziskus-Xaverius-Verein in Aachen, Ludwigs-Missions-Verein in München, Afrika-Verein der deutschen Katholiken). Das Thema Mission liegt also in der Luft, als der Franziskaner-Missions-Verein in Bayern das Licht der Welt erblickt.


Der Gründer Pater Jakob Schauermann ofm

Bruder Jakob Schauermann, der Gründer des Missionsvereins Jakob Schauermann, 1880 in Eger geboren, tritt 1902 in den Franziskanerorden ein und wird bereits 1906 in München zum Priester geweiht. Schon bald entfaltet er in Landshut eine erstaunliche pastorale und soziale Tätigkeit: 1911 gründet er den Franziskaner-Missions-Verein und später eine eigene Missionsdruckerei, 1914 den Caritasverband Landshut, die Katholische Jugendfürsorge und einen Verein für Säuglingspflege, 1919 im Solanushaus eine Schule für Pflegerinnen und ein Säuglingsheim.

Zur Mitarbeit gewinnt er eine Gruppe von Frauen, die aus einem Münchner Krankenpflegeverein hervorgegangen war und sich dem franziskanischen 3. Orden angeschlossen hatte. Als nach ihrer kirchenrechtlichen Anerkennung durch den Bischof von Bamberg diese Franziskusschwestern ihren Sitz nach Vierzehnheiligen verlegen, verbleibt ein Teil der Gemeinschaft in Landshut und wird 1926 durch die Erzdiözese München als Diözesankongregation der Solanusschwestern errichtet.

1931 wird Jakob in das Banat versetzt und damit von seinen Werken getrennt. Grund dafür dürfte unter anderem sein in der Provinz nicht unumstrittener Leitungsstil und die defizitäre Lage seiner Gründungen gewesen sein. Es wäre nicht das erste Mal, dass prophetisches Gründercharisma nicht unbedingt mit nüchternem Finanzmanagement gepaart ist. Später wirkt er dann in Maria Lanzendorf bei Wien und als Seelsorger am Wiener Zentralfriedhof, wo er 1957 auch beigesetzt wird. 2007 wurden seine Gebeine nach Landshut überführt.

Franziskanermissionare aus Bayern in China, Südafrika und Bolivien

Hauptaufgabe des Missionsvereins, so heißt es in der Gründungssatzung von 1911, ist „die Unterstützung der Franziskanermissionen und die Heranbildung von Franziskanermissionaren“. Bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts hat die Propaganda Fide in Rom die Verantwortung für sog. Missionsgebiete in Übersee an Ordensgemeinschaften in Europa übertragen. So wurde den bayerischen Franziskanern 1926 die Apostolische Präfektur Shohchow in Zentralchina anvertraut, wo sie, unterstützt von den Solanusschwestern, bis zur Vertreibung durch die Kommunisten 1948 wirkten. 1932 kamen die ersten Brüder aus Bayern nach Südafrika und übernahmen drei Jahre später die Apostolische Präfektur Mount Currie, erneut in Zusammenarbeit mit den Schwestern aus Landshut. Auch dort leben inzwischen keine bayerischen Minderbrüder mehr.


Kirche hat Zukunft: Robert Hof, Münchner Diözesanpriester, arbeitet mit unseren Brüdern in Bolivien und wird vom FMV unterstützt

Geblieben ist die bayerische Präsenz bis heute dagegen im Tiefland von Bolivien, wo der Münchner Provinz 1951 das Apostolische Vikariat Ñuflo de Chávez anvertraut wurde. Die Unterstützung der vielfältigen pastoralen und sozialen franziskanischen Projekte in Bolivien ist heute die Hauptaufgabe des Missions-Vereins.

Es wächst zusammen, was zusammen gehört

Im gleichen Jahr 1911 ruft Bruder Jakob neben dem Missions-Verein auch noch einen „Gebetsverein zu Ehren des hl. Antonius“ ins Leben. Durch die Doppelgründung macht er deutlich, dass die Verkündigung des Evangeliums nicht nur finanzielle Mittel erfordert, sondern vom Gebet getragen sein muss.
Wenn sich auch das Missionsverständnis in 100 Jahren geändert hat, das Grundanliegen ist gleich geblieben: Weltkirchliche Solidarität lebt nicht nur vom Teilen materieller Güter, sondern vor allem auch von einem spirituellen Austausch, der längst nicht mehr nur als Einbahnstraße vom alten Europa in ferne überseeische Länder funktioniert.

Und noch etwas scheint im Nachhinein fast prophetisch: Jakob wurde zur Gründung des Missions-Vereins in Bayern inspiriert durch den Franziskaner-Missions-Verein der Sächsischen Provinz, den P. Wenzeslaus Straußfeld wenige Jahre zuvor in Werl errichtet hatte. Daraus hat sich die Franziskaner Mission Dortmund entwickelt.


Das Missionsbüro in München heute: Bruder Alfons Schumacher ofm und Sekretärin Pia Wolgemuth

Heute arbeiten beide Institutionen eng zusammen, etwa in der Herausgabe der Zeitschrift Franziskaner Mission. Die gemeinsame Verantwortung der deutschen Franziskaner für ihr geschichtlich gewachsenes weltkirchliches Engagement zu stärken, offen zu sein für neue Herausforderungen und im Missionsland Deutschland das Bewusstsein für unsere weltkirchliche Verbundenheit wach zu halten, ist die große Herausforderung des Franziskaner-Missions-Vereins in Bayern an seinem 100. Geburtstag.

Br. Cornelius Bohl


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:22