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Jahr der heiligen Agnes von Böhmen
In Tschechien wird die heilige Agnes als böhmische Landespatronin verehrt.
In diesem Jahr wird ihr 800. Geburtstag begangen und exakt am Todestag der ehemaligen böhmischen Prinzessin, am 2. März 2011, wurde das Jahr der heiligen Agnes von Böhmen eröffnet.
An die Persönlichkeit der heiliggesprochenen Klostergründerin wird dabei mit einer Reihe von Ausstellungen, Veranstaltungen und Messen erinnert. Gekrönt wird das Jahr durch die Ausstellung „Die Heilige Agnes von Böhmen – Prinzessin und Ordensschwester“.


Eine feierliche Messe in der Prager Kirche des hl. Franziskus von Assisi, die der Prager Erzbischof Dominik Duka zelebrierte, sorgte für die offizielle Ouvertüre des Agnes-Jahres. Kardinal Duka verweist auf die Rolle, die Agnes in der Geschichte spielt: „Sie ist eine Frau, die auch aus internationaler Sicht als Begründerin der Kranken- und Sozialfürsorge betrachtet werden kann. Sie hat untermauert, dass bei allen ihren Klöstern auch Spitale entstehen sollen. Sie hat sogar den Orden der Spitalbrüder, der so genannten Kreuzherren mit dem roten Stern gegründet, der der einzige in Böhmen entstandene Orden ist.“

Agnes wurde als das jüngste Kind des böhmischen Königs Přemysl Ottokar I. vermutlich am 20. Januar 1211 geboren. Mit ihrer Person wurden große politische Pläne geschmiedet, die dem Machterhalt des Geschlechts der Přemysliden dienen sollten. Boleslaw von Schlesien, Heinrich, der Sohn des deutschen Kaisers Friedrich II., und später wohl auch Kaiser Friedrich II. selbst waren als mögliche Bräutigame im Spiel. Agnes wurde jedoch in Klöstern erzogen und bat deshalb Papst Gregor IX. später um Erlaubnis, als Ordensschwester leben zu dürfen. Am Moldauufer gründete sie ein Kloster mit Spital, in dem sie später als Äbtissin gelebt und ihr Leben der Fürsorge für Kranke und Hilfsbedürftige geweiht hat. Agnes starb am 2. März 1282.

Bereits kurz nach ihrem Tod entstand in Böhmen ein Agnes-Kult, begleitet von den Legenden über die von ihr vollbrachten Wunder. Auf eine Heiligsprechung musste sie jedoch 700 Jahre warten. Der Historiker Jaroslav Šebek:
„Im Vatikan war die Stimmung gegen sie. Der Vatikan hegte eine Aversion gegenüber den Orden, zu denen sich Agnes bekannte, namentlich zu den Franziskanern. Aus diesem Grund scheiterten alle Versuche für ihre Heiligsprechung und sie wurde erst im Jahr 1874 seliggesprochen. Zur Heiligsprechung fehlten unter anderem auch die Gebeine, die – wie bekannt – während der Hussiten-Kriege verloren gegangen waren. Erst zu Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Teil ihrer Gebeine im spanischen Escorial gefunden.“

Im 20. Jahrhundert wurde beim Vatikan wiederholt um die Heiligsprechung ersucht. Zur Behandlung des Gesuchs in den 80er Jahren trug die Tatsache bei, dass sich die katholische Kirche aktiv gegen das kommunistische Regime stellte. Die Heiligsprechung bekam also auch eine politische Bedeutung. „Johannes Paul II. sagte, er wolle Agnes heiligsprechen, um böhmische und mährische Christen in ihrem Freiheitskampf zu unterstützen.“
Nur wenige Tage vor dem Ausbruch der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei fand die Heiligsprechung in Rom statt – am 12. November 1989.

Im Herbst vergangenen Jahres, 20 Jahre nach der Heiligsprechung, wurde die Hoffnung geweckt, in einer der Prager Kirchen die Gebeine der hl. Agnes gefunden zu haben. Die Vermutung hat sich aber nicht bestätigt, und so wartet man auch weiterhin auf die Erfüllung einer Prophezeiung aus dem 15. Jahrhundert: Liebe, Glück und Wohlstand würden in Tschechien einkehren, wenn es gelinge, die Grabstätte der heiligen Agnes zu finden.

Quelle: Copyright (c) 2011 Radio Prague (Český Rozhlas 7 - Radio Praha)
Textoriginal inklusive Bilder und Audiodateien auf: www.radio.cz


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:34