Dies ist eine alte Version des Dokuments!



  zurück zur Übersicht 
"Franziskus macht Schule"
Die Leitungsverantwortlichen von 10 franziskanischen Schulen trafen sich vom 02.-05. Februar 2010 im Franziskanischen Zentrum für Stille und Begegnung in Hofheim.

Ziel dieses ersten franziskanischen Schulkongresses war es, die bestehenden Kontakte zu verstärken, Konzepte franziskanischer Profilierungen von Schulen zu diskutieren und Kooperationsmöglichkeiten auszuloten.


Bernward Bickmann, der Leiter des Franziskanischen Bildungswerks in Großkrotzenburg (Bild links), konnte als Organisator des Kongresses rund 25 Teilnehmende begrüßen, darunter Schulleiter, Lehrerinnen und Lehrer, Franziskaner im Schuldienst und als Vertreter der Schulträger.

In seiner Einführung wies P. Hadrian Koch ofm (Bild rechts) als Veranstalter und Gastgeber der Thüringischen Franziskanerprovinz darauf hin, dass die Schulen im Franziskanerorden einen neuen Stellenwert bekommen haben. In Europa gibt es 44 franziskanische Bildungszentren. Weltweit sind 7 % der Brüder (236) im Bildungsbereich tätig. Dies ist nach den Pfarrern und Wallfahrtsseelsorgern die drittgrößte Gruppe. Dieser erste Schulkongress in Deutschland sei ein Pilotprojekt unter dem Motto: „voneinander wissen – voneinander lernen – miteinander suchen – einander bestärken“. Ein wesentliches Ziel sei die Netzwerkarbeit.

Vorstellung der Schulen

Sehr kurzweilig und informativ war die Vorstellung der einzelnen Schulen mit ihren ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Konzepten (unterschiedliche staatliche Gesetzgebungen, mit und ohne Internat, Größenordnung von 300 bis 1350 Schüler/innen, Berufskolleg für Erwachsene usw.).

Folgende Schulen waren vertreten:
* Franziskanisches Klassisches Gymnasium Visovo (Bosnien-Herzegowina)
* Franziskanergymnasium Esztergom (Ungarn)
* Franziskanergymnasium Szentendre (Ungarn)
* Franziskanergymnasium Budapest (Ungarn)
* Franziskanergymnasium Bozen (Südtirol)
* Franziskanergymnasium Hall (Österreich)
* St.-Franziskus-Gymnasium Olpe (Deutschland)
* Comenius-Kolleg Mettingen (Deutschland)
* Franziskus-Gymnasium Vossenack (Deutschland)
* Franziskanergymnasium Kreuzburg Großkrotzenburg (Deutschland).

In einer abendlichen Exkursion hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, das Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg kennen zu lernen. Nach dem Abendessen im Franziskanerkonvent erfolgte eine Schulführung sowie ein kleiner Einblick in die Vielfalt der AGs durch Auftritte des Schulorchesters, verschiedener Tanzgruppen, der Latein-AG mit einem Theaterstück sowie der Akrobatik-AG in der Aula.





Vorträge und Statements

P. Willibald Hopfgartner ofm machte im ersten Referat „Franziskanische Bildung/Schule - ein geschichtlicher Abriss“ deutlich, dass es Erziehung nur gibt, wenn dahinter eine bestimmte Idee steht. Er beleuchtete das Verhältnis von Franziskus zur Bildung und wies nach, dass Franziskus keineswegs bildungsfeindlich war, wie häufig die Vorstellung bis in unsere Zeit ist. Teilweise wird die Auffassung vertreten, dass jede Institution eine Verfälschung der franziskanischen Ideale darstellt. In der franziskanischen Tradition spielte die Bildung immer eine wichtige Rolle. Typisch ist der Zusammenklang von Intellektualität und Existentialität. Die Franziskaner verbanden die Leidenschaft des Wissens mit der Leidenschaft eines authentischen Lebens nach dem Evangelium. Bildung setzt immer Begegnung voraus. Im Sinne der personalen Dimension stellte P. Willibald das Mindersein als Schlüsseltugend für einen franziskanischen Pädagogen dar, da die heutige komplexe Welt Flexibilität und Dialogbereitschaft erfordere.

P. Johannes Baptist Freyer ofm vertiefte diese Gedanken in seinem Referat zum Thema „Franziskanische Pädagogik in einer sich verändernden Welt“. Er stellte den Erkenntnissen der neuesten Shell-Jugendstudie franziskanische Werte gegenüber und zeigte Wege auf, die eine mögliche Antwort darstellen auf die Herausforderungen unserer Zeit. Den Zukunftsaussichten ordnete er das Lebenswissen und die Nachfolge zu sowie den Weg zur Erkenntnis; der Familie die Geschwisterlichkeit und den Weg zum Dialog; der Freizeit die Ästhetik und den Weg zur Schönheit; der Politik und Gesellschaft den Frieden, die Gerechtigkeit und die Versöhnung sowie den Weg zum Guten und zum Wohlergehen; der sozialen Umgebung die Bescheidenheit und die Authentizität sowie den Weg zur Freiheit; der Globalisierung die Inklusivität sowie den Weg der Unentgeltlichkeit; der Religion die Provokation und das Experiment sowie den Weg zum Ethos des Lebens.

P. Udo Schmälzle ofm ging in seinem Vortrag „’Der Herr wird Euch zeigen was ihr tun sollt.’ Konvergenz und Divergenz einer franziskanischen Pädagogik und Schulentwicklung“ der Frage nach, wie der Bruch zwischen Kultur und Evangelium im Rahmen von Schule bearbeitet werden kann. Der Auftrag von Schule sei es, an den Wertkonflikten zu arbeiten, die sich innerhalb einer pluralistischen Gesellschaft ergeben. Dazu benannte er einige Fragmente zur pädagogischen Relevanz eines Franziskanischen Leitbildes wie Suche in der Finsternis, Evangelium, Staunen, Vertrauen auf den Geist Gottes, Angenommen sein, Erziehen durch Anerkennen, Mitleiden, Frieden stiften usw. Schule als ein Ort der Theologie sei als pastoraler Schwerpunkt weiterhin ein wichtiges franziskanisches Aufgabenfeld.

Dies bestätigte der Generalminister P. José R. Carballo ofm in seinem Statement. Er betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Franziskanern, Lehrern, Eltern und Schülern innerhalb einer franziskanischen Schule, um zu einer Synthese zwischen Kultur und Evangelium zu kommen. Als einige bedeutende und unverzichtbare Aspekte einer franziskanischen Anthropologie benannte er die Einzigartigkeit eines jeden Menschen, die Freiheit und das In-Beziehung-Stehen, die Person als offene und dynamische Wirklichkeit (lebenslanges Lernen), der Mensch als ganzheitliches Wesen. Er verwies auf die Notwendigkeit einer guten Begleitung in Theorie und Praxis. Ziel sei ein dreifaches: Eine Erziehung zu einer Liebe zum Leben (zum Leib, zur Welt), zur Befähigung im Beruf und zu einer spirituellen Kompetenz in Bezugnahme zum Evangelium.

Die beiden folgenden Referate beschäftigten sich mit der Frage, wie die Franziskanische Idee auch in Zukunft weiter getragen werden kann, wenn immer weniger Schwestern und Brüder in der Pädagogik tätig sind.

Dazu stellte Sr. M. Basina Kloos als Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen ihr Konzept vor, mit dem die Gemeinschaft die über 11.000 Mitarbeitenden in ihren sozialen Einrichtungen schult. Dies betrifft insbesondere die Leitungsverantwortlichen als Ideenträger, die wiederum das Erfahrene an andere weiter geben. Unter dem Titel „Lehrer/innen als Träger der Idee - Theologisch-spirituelle Dimension der Verantwortung für Mitarbeiter/innen“ verdeutlichte sie in Bezug auf die Schule die Wichtigkeit, das Kollegium in den Prozess mit einzubeziehen. Ziel sei die „Leidenschaft für das Mögliche“ (Kirkegaard) und der Auftrag, mit dem Sachwissen auch Lebenswissen zu vermitteln.

Den letzten Impuls setzte Britta Bayer von der Wildenmann Consulting GmbH & Co. Mit ihrem Beitrag „Lehrer/innen als Träger der Idee - Corporate Identity in der Franziskanischen Schule“. Darin zeigte sie auf, wie es gelingen kann, eine Idee vom Gestern ins Morgen zu transportieren. Anhand der 7 Stufen eines Veränderungsprozesses stellte sie mit Beispielen dar, welche Chancen, aber auch Fallstricke in einem solchen Prozess liegen. „Eine Idee weiter zu tragen heißt, sie im Leben zu verändern!“

Ausblick

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass der Kongress eine Fortsetzung erfahren soll, um in den verschiedenen Themenkomplexen zu Konkretionen zu kommen. Im Sinne einer Vernetzung trug der Kongress zum Kennenlernen der unterschiedlichen Schultypen bei und zur Knüpfung von Kontakten (etwa für einen Schüleraustausch).

Br. Stefan Federbusch

Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch



  zurück zur Übersicht    Seitenbeginn  

Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:22