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Franziskanischer Kirchbau
1997 nahm das Ehepaar Kristin und Herbert Wolz an einer Abschlussfahrt des Franziskanischen Fernkurses teil und kaufte sich ein Haus in Umbrien.

Eine seit 12 Jahren geschlossene kleine Kapelle hatte es ihnen angetan. Was darauf wurde...


Es ist geschafft!!! Die Einweihungsfeier hat am 19.6.2010 statt gefunden, sie begann um 18 Uhr und endete um 21.30 Uhr. Eine halbe Stunde später begann der Dauerregen...

Allein hätten wir es nicht geschafft – und nichts ist zufällig...

Jetzt sitze ich fast mutterseelenallein in der Kirche S. Lucia – die Dalmatinerin ist bei mir und die Skulpturen von Andrew, unserem englischen Künstlerfreund. Der kleine Olivenholzmann Franziskus mit den Vögeln um sich herum hat seine Augen geschlossen, strahlt Ruhe aus. Die heilige Luzia – als Fresko aus dem 14. Jhdt. mir gegenüber – schaut mich allerdings so provozierend an wie eh und je. „Eh und je“ bedeutet seit zwei Jahren. Da waren mein Mann und ich so mutig, nicht nur die Sommermonate hier auf dem umbrischen Hügel zu verbringen, sondern uns auch zu unserem „Projekt Kirche“ zu bekennen (in einem ziemlich klapprigen Italienisch). Zwölf Jahre war sie geschlossen, und als wir sie endlich betreten durften, liefen grüne Tränen an ihren Wänden herunter, und die Sonne blinzelte durch das offene Dach. Kaum jemand glaubte an ihre Renovierung. „Ihr könnt alles von der Diözese verlangen, nur kein Geld,“ meinten die beiden franziskanischen Eremitinnen, die wir um Rat und dann um geistliche Unterstützung baten. Die haben sie allerdings bestens geleistet. Im Februar dieses Jahres begannen die Renovierungsarbeiten, in einer Gründlichkeit, die wir nicht zu hoffen wagten.

Die „Zufälle“ begleiten unsere umbrische Geschichte, die 1997 in Assisi mit der Abschlussfahrt von unserem Fernkurs „Franziskanische Spiritualität“ (unter der Ltg. von Leonhard Lehmann) begann, uns ein Haus in Umbrien bescherte (etwas abseits von der Pilgerroute, aber in der Nähe von Cerbaiolo, Montecasale, Buon Riposo – den stillen Orten, die Franziskus so liebte) und dieses Kirchlein, das wir zu neuem Leben erwecken wollen: So gibt es eine erste Ausstellung, ein erstes Konzert in zwei Wochen, einen ersten biblischen Garten und jeden Dienstag die ersten Rosenkranzgebets-Treffen. Meine liebe Bauernfreundin (76 Jahre alt) betet dann neben mir, lernt mit mir die Gesätze und ist ganz glücklich, sie hier sprechen zu können. Das gab es bisher nicht.
Und ich, ich habe den Computer auf dem Schoß, schreibe für die INFAG und bin voller Zuversicht, dass wir hier noch viele gute Begegnungen, Gespräche und Kulturangebote erleben werden – mein Mann läutet jeden Mittag die älteste Glocke in diesem Tal, in deren Klang auch etwas von unserer franziskanischen Berufung mitschwingt, denn mein Mann und ich sind Mitglieder der FG.
Da kommt er gerade – Zufall?

Kristin Wolz


Die (Vor)-Geschichte

Es liegen anstrengende Wochen hinter uns. Wir erlebten hautnah die Maurer, die Maler, den Schreiner, den Elektriker mit. Sie alle arbeiteten vorbildlich und mit Herzblut – die Maurer bauten eine steinerne Kirchenbank aus einer alten Treppenstufe, mauerten auf unseren Wunsch eine schöne Mauer um den Friedhof, der Maler wählte ein antikes Weiß, der Schreiner sprach den Farbton mit uns ab und Herbert trug artig mit ihm Bänke rein und raus... Wir waren Anlaufstelle für alle, und sie dankten es uns mit italienischer Herzlichkeit und handwerklichem Können. Einige Bittgänge nahmen wir auf uns und gingen zu Don Graziano, der für die Restaurierung verantwortliche Priester der Diözese, der sehr wenig mit uns sprach, aber unsere Ideen Wirklichkeit werden ließ... auch gegen den Willen des zuständigen Architekten, der im Vorfeld die Kirche am liebsten an uns verkauft hätte.

Wir „mischten“ also tüchtig mit, weil wir für eine einfache Kirche im franziskanischen Sinne „kämpften“. Herbert viel konsequenter als ich. Er sortierte Stühle, Dekor, kaputte Lampen …. aus, restaurierte den Kreuzweg und kümmerte sich herzerfrischend wenig um Meinungen von andern. Mir fiel das nicht so leicht. Ich war betroffen von Wünschen und Forderungen, die an uns „gerüchteweise“ gestellt wurden. Da vegetiert eine Kirche mehr als 30 Jahre vor sich hin, ist seit 12 Jahren geschlossen, wäre zerfallen - und keiner hätte sich gekümmert, aber die Renovierung, initiiert von Fremden ist eine Provokation. Von „Zaungästen“ wird von großen Festen (jedes Jahr im September) mit Spanferkel und viel Wein erzählt, das jetzt wieder statt zu finden habe (das letzte war vor 30 Jahren) oder es werden die Mängel aufgezeigt oder Nachbarn reden gar nicht mehr mit uns.... ich habe mich in den dunkelsten Stunden sehr einsam gefühlt – und war es nicht. Da kam unser Lieblingsvogel mit seiner Melodienvielfalt ganz nah und zwitschert uns bis heute von morgens bis abends seine Lieder vor; ein Bienenschwarm ist in unser Haus eingezogen – hat ein Loch in der Nordwand der Hausmauer gefunden – und die Bienen kehren abends heim und dann gibt es eine kleine Warteschleife für alle, bis sie im Mauerwerk verschwunden sind. Unsere Schlange hat sich gezeigt und als Natter geoutet, die wir gern im Garten haben. Messalina, die treue Dalmatinerin, ist auch wieder bei uns....

Die Ausstellung

Was ist gewachsen? Wir haben die erste Ausstellung etabliert. Hier gibt es leider die Technik der Galerieleisten nicht, aber ein pfiffiger junger Mann in einem Eisenwarengeschäft hat uns auf die Idee der Türschienen gebracht und hat auch gleich die „Rollen“ dazu gebaut. Ihr könnt sie vielleicht auf dem neuen Kirchenbild erkennen? Und die Holzskulpturen von Andrew Stevenson haben auch ihre Plätze im Kircheninnern gefunden – sehr zur Zufriedenheit von Andrew und seiner finnischen Frau Lotta. Es war ein besonders anrührend schöner Nachmittag, als wir sie gemeinsam aufstellten. Die fünf Skulpturen (Franziskus mit Vögeln, Chiara, die Flüchtlinge, Mutter und Kind, ein Engel und ein Palästinenser bleiben den ganzen Sommer mit uns).

Der biblische Garten

Was ist noch passiert? Wir haben einen biblischen Garten begonnen. Herbert und ich sind jeden Freitag in eine Pfarrgemeinde im Industriegebiet von Città di Castello gegangen, um dort den Jugendlichen bei den Hausaufgaben zu helfen, was letztendlich darin mündete, dass wir mit ihnen englische Lieder sangen, englische Bastelanleitungen gaben und ein bisschen miteinander ins Gespräch kamen. Jetzt sind Ferien. Es sind immer so um die 20 -25 Jugendliche, die von einer Sozialpädagogin und dem Pfarrer Achille täglich betreut werden (sie wohnen in dem Gebiet, eine sehr gemischte Gruppe). Achille ist ein Vorbild. Er betreut die Jugend in seiner Gemeinde Riosecco seit 39 Jahren, in den Ferien fährt er dieses Jahr mit ihnen nach Taizè und dann wird der Gemüsegarten gemacht (½ Hektar).... dazu ist er ein kritischer Intellektueller, der seit 20 Jahren eine alternative Zeitschrift herausbringt. Und diese Zusammenarbeit hat Früchte getragen. An der Seite der Kirche war vor vielen Jahren der Friedhof. Wir haben ihn zu einem biblischen Garten erklärt und zunächst sieben (symbolisch für Ganzheit) Pflanzen gesetzt. Einen Nachmittag kamen unsere 20 Jugendlichen aus Riosecco mit Pflanzen und haben uns geholfen.

Die Einweihungsfeier

Zum Schluss die "inaugurazione", Einweihungsfeier. Wir haben 6 Einladungen verteilt, mit der Botschaft, dass wir es wie der Junge mit den 5 Broten und 2 Fischen im NT halten – und jeder bringt etwas mit. Herbert und ich haben unser Haus und Garten geöffnet – wir haben drei Tische mit Efeugirlanden und klitzekleinen Blumentöpfchen mit Brot (das Motto unser Kirche: Brot für die Armen - und damit wollen wir eine indische Mädchenschule unterstützen) dekoriert, in der Kirche eine Schale mit den gelben Blumen vom Wegrand geschmückt (Ginster, Johanniskraut, gelbe Kamille)... Mit 30 Personen haben wir gerechnet, und es kamen über 100! Ohne den Bischof zu zählen, der mit vier Priestern kam: der Gemeindepfarrer unserer Kirche, dann Don Graziano (s.o), der uns strahlend erklärte, dass auch er zur Franziskanischen Gemeinschaft gehöre (wie wir) und heute sein "25-Jähriges" feiere. Dazu brachte er gleich einen Kapuziner mit und die Bedeutung des 4. Priesters hat sich mir nicht erschlossen, war aber auch sehr freundlich. Der Bischof hat uns auf Deutsch angesprochen, war sehr angetan von unseren Projekten und hat alles "abgesegnet".

6 Jugendliche aus Riosecco brachte D. Achille (damit der 5. Pfarrer), der auch neugierig war, wie diese Feier wohl würde. Die Jugendlichen kamen mit Gitarre und sangen mehrstimmig moderne Kirchenlieder (für die Bauern dieser Gegend ungewohnt, aber schön). Viele brachten Kuchen und "fingerfood", und alle wurden satt. Alle, aber auch alle meine Wünsche sind in Erfüllung gegangen, und der Bischof Dominco bat uns in der Messe, dass wir in Zukunft die Glocke läuten mögen.... Herbert läutet sie mittags - und heute ging es schon besser als gestern, es ist gar nicht so leicht, und jetzt hoffe ich, dass sie bis zu euch herüber klingt. ....

Pace e bene, Frieden und Heil, das wünschen wir euch von Herzen!

Herbert und Kristin Wolz


Ausstellung in S. Lucia in Arcalena

Hinter dem Namen S. Lucia verbirgt sich eine kleine, sehr alte Kirche, die gerade restauriert wurde. Schon die weiße Straße dorthin kann zum „Meditationsweg“ werden. Der neu angelegte, „Bibelgarten“ an der Seite der Kirche (Rest des ehemaligen Friedhofs) bietet die Möglichkeit, im „Buch der Bücher“ zu blättern, um die zitierten Pflanzen zu finden.

Die Kirche ist seit Juni 2010 in den Sommermonaten geöffnet und lädt zum Ausruhen ein. Zum Genießen ihrer Stille und ihrer heiteren Atmosphäre.

Die erste Ausstellung ist von dem englischen Künstlers Andrew Stevenson gestaltet.

Seine Skulpturen und Bilder sind franziskanisch inspiriert und laden den Betrachter zum Dialog ein.

Dauer der Ausstellung: 19. Juni bis 21. September 2010 (geschlossen vom 7.8 – 22.8.2010)

Öffnungszeiten

Montag-Samstag: 9.30 – 12.30 Uhr und 15.00 – 18.00 Uhr Sonntag 15.00 – 18.00 Uhr

Herbert und Kristin Wolz
Arcalena 27
06010 M.S.M.Tiberina/PG


Tel. für Vereinbarungen: 075 85 70 131 (abends)


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:34