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"Der Glaube baut Räume"
Am 28. März 2010 wurde in Haus Ohrbeck die neue Kapelle durch den osnabrücker Weihbischof Theodor Kettmann eingeweiht.

In fünfmonatiger Bauzeit wurde die Hauskapelle völlig umgestaltet in einen hellen, offenen Raum, der in seiner Schlichtheit wesentlich geprägt ist durch die Prinzipalstücke aus rötlichem Mammutbaumholz sowie die eigens entworfenen Fenster.


Haus Ohrbeck – Georgsmarienhütte vor den Toren Osnabrücks gelegen - ist seit 1974 als katholische Erwachsenenbildungsstätte und Heimvolkshochschule des Landes Niedersachsens anerkannt. Seit 1926 war es franziskanisches Exerzitienhaus. In den vergangenen Jahren wurde Haus Ohrbeck zu einem modernen Bildungs- und Tagungshaus umgebaut.

Dazu zählt auch die neue „Kreuz-Kapelle“. Leitender Architekt des Umbaus war Ulrich Recker (Westerstede). Die Bausausführung übernahmen die Architekten Ulrich Saremba und Thomas Göckel aus Osnabrück. Die Fenster wurden von Jochem Poesgen (Soest), Altar, Ambo und Tabernakelstele von Klaus Simon (Krefeld) gestaltet.



Entstanden ist ein heller, offener Raum mit ruhiger, konzentrierter Atmosphäre, zu der die eigens für die Kapelle entworfenen Fenster und die Prinzipalstücke aus rötlichem Mammutbaumholz entscheidend beitragen. Altar, Ambo und Tabernakelstele ebenso wie Kerzenleuchter und Sedilien hat der Künstler in jeweils einem einzigen Stück aus dem Stamm eines Mammutbaumes von 2 Metern Durchmesser herausgearbeitet – alle Stücke sind aus massivem Holz.

Aus dem Altarblock hat Klaus Simon in der Mitte einen Holzkern durchgehend so entfernt, dass in Anlehnung an das franziskanische Tau eine T-Form entstanden ist, die eine Blickachse längs durch den Altar schafft. Jahresringe, Maserung, Astgabeln, Risse erzählen die Geschichte dieses 250 Jahre alten Baumes und verleihen jedem Stück seinen unverwechselbaren Charakter. Auffällig und ausdrucksstark ist das ungewöhnliche rötliche Holz des Mammutbaumes. Die hell- und dunkelrote, dann wieder fast weißliche Färbung ist natürlich im Holz vorhanden. Da der Mammutbaum erst vor kurzer Zeit aus Altersgründen im Darmstädter Schlosspark gefällt wurde, ist noch viel Feuchtigkeit im Holz – allein zum Gewicht des Altars von 900 Kilogramm tragen rund 400 Kilogramm Wasser im Holz bei. Im Laufe der nächsten vier Jahre wird die Feuchtigkeit verdunsten, so dass das Holz im Zuge dieses natürlichen Prozesses sein Aussehen und seinen Charakter kontinuierlich weiter verändern wird. Das jetzt hellrötliche Holz beispielsweise wird im Laufe der Zeit eine intensive, tief rote Färbung entwickeln.

Am Palmsonntag wurde die Kreuz-Kapelle von Weihbischof Theodor Kettmann und Provinzial Norbert Plogmann feierlich eingeweiht. Musikalisch begleitet wurde die Feier durch den Kleinen Chor St. Johannes aus Rulle.

Die Weiheliturgie begann mit der Segnung des neuen Ambos, von dem aus Franziska Birke-Bugiel und Br. Thomas Abrell, beide Referenten in Haus Ohrbeck, die ersten Lesungen aus der Heiligen Schrift vortrugen.

Ebenfalls vom neu eingeweihten Ambo verkündete P. Provinzial Norbert Plogmann das Evangelium. Auf eine Besonderheit der neuen Kapelle – die aus Mammutbaumholz gefertigten Prinzipalstücke – nahm anschließend Weihbischof Kettmann Bezug. Der Baum als Sinnbild des Lebens und zentrales Motiv der Bibel stand im Mittelpunkt seiner Predigt: »Seit frühesten Zeiten ist der Baum ein besonders aussagekräftiges Symbol für uns Menschen, für unser Leben: Verwurzelt sein, geduldiges Wachsen, Früchte bringen, Verarbeiten der Narben, Wind und Wetter standhalten, Jahresring um Jahresring in Stetigkeit und ohne jede Überstürzung wachsen – und wieder vergehen.« In einem kurzen Bogen zeichnete Weihbischof Kettmann die Bedeutung des Baumes in der Heiligen Schrift nach: der Baum der Erkenntnis im Garten des Paradieses – die Lebensbäume am kristallklaren Wasser am Ende der Offenbarung des Johannes – schließlich der Baum des Kreuzes Jesu. »Immer wieder wird uns der Baum des Kreuzes vor Augen gestellt: mit seinem Schrecken und mit seiner erlösenden Kraft. […] Dieser Altar aus Mammutbaum ist also eine stille, intensive Predigt über den Grund und die Mitte unseres Feierns: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.«

Nachdem die Heiligen in der Allerheiligenlitanei um ihre Fürbitte angerufen worden waren, wurde die Reliquie – ein Stückchen Stoff vom Gewand des Heiligen Franziskus – mit samt der Urkunde über die Vornahme der Weihehandlung in eine Vertiefung im Holzboden vor dem Altar eingelassen. Im weiteren Verlauf des Weihegottesdienstes besprengte Weihbischof Kettmann den Altar mit Weihwasser und salbte ihn mit Chrisam, einem geweihten Salböl. Durch die Salbung mit diesem Öl wird der Altar zum Symbol Christi. Anschließend entzündete er in einer Schale über fünf Dochtkreuzen den Weihrauch und sprach das Weihegebet. Die erste gemeinsame Eucharistie, die der Weihbischof mit der versammelten Gemeinde feierte, vollendete die Altarweihe.

Nachdem der Tisch des Wortes, der Ambo, und der Tisch des Brotes, der Altar, ihren Bestimmungen übergeben waren, segnete Weihbischof Kettmann den Tabernakel und entzündete das Ewige Licht.

Bei der Zeremonie und der Eucharistiefeier konzelebrierten P. Provinzial Norbert Plogmann, Hannover und der Geistliche Direktor von Haus Ohrbeck, P. Franz Richardt, der zugleich als Kommentator den Anwesenden kurze Erläuterungen zu den einzelnen Schritten der Altarweihe gab.

Beim anschließenden Empfang mit Buffet nutzten viele Gäste die Möglichkeit, mit den Architekten und Künstlern ins Gespräch zu kommen: Der leitende Architekt, Ulrich Recker aus Westerstede, und die ausführenden Architekten, Ulrich Saremba und Thomas Göckel vom Stephanswerk Osnabrück, waren ebenso unter den Gästen wie die Künstler Klaus Simon und Jochem Poensgen, die durch ihre Gestaltung der Prinzipalstücke und der neuen Fenster die Gestalt der neuen Kapelle maßgeblich mit bestimmt haben.

Die neue Kreuz-Kapelle kann am Tag der Offenen Kapelle am 2. Mai 2010 ab 15 Uhr besucht werden!

Nähere Informationen: www.haus-ohrbeck.de


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:34