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Infag-Tage der Geistlichen Heraus-forderung in Vöcklabruck
„Tage der geistlichen Herausforderung“ nennt sich alljährlich ein Angebot von INFAG, das in diesem Jahr vom 16.-19. November 2009 in Vöcklabruck stattfand.


Drei Impressionen von Teilnehmerinnen:

Das routinierte Leitungsteam mit Dr. Georg Beirer aus Bamberg, Sr. Pernela Schirmer (Dillingen - Bild Mitte) und Sr. Paulin Link (Reute - Bild links) bereitete einen außergewöhnlichen Zugang zum 800jährigen Jubiläum der franziskanischen Urregel vor.

Zunächst ging es um Anthropologische Aspekte zur Regel. Wer auch immer kritisch Regelwerken gegenüber steht, der durfte bereits bei der ersten These Erleichterung verspüren: Eine „Regel dient“. Ja, „Regeln sind bewährte Wahrheiten, die dem Gelingen des Lebens dienen“ – um nur eine Deutung anzufügen.
In einem zweiten Teil befassten wir uns selbstkritisch mit unseren selbst gemachten Lebensleitsätzen. Mir ging es so, dass ich nach dem Austausch in der Kleingruppe gar nicht mehr ausmachen konnte, ob ich von positiven oder von negativen Lebensleitsätzen ausgehe – es gibt immer Anteile von beidem. Und es ist gut, sie zu kennen, denn diese Lebensleitsätze steuern uns unbewusst.

Das 7. Kapitel unserer Lebensregel haben wir gründlich vertieft, um in einem nächsten Schritt die drei Schriftworte der Urregel des hl. Franziskus in seiner Dichte und Wirkkraft zu erfahren. Meiner Gruppe fiel das Schriftwort aus Lk 9,3 zu: „Nehmt nichts mit auf den Weg!“ Das ist zunächst eine harte Forderung, doch im Kontext der vorausgegangen Hinführung, z. B. „eine Regel hat nur einen Sinn in Bezogenheit auf Liebe und Freiheit“ oder: „eine Regel ist dann gut, wenn sie die Liebe weckt“ – in diesem Bewusstsein gewann dieses Wort aus dem Evangelium eine Weite und Freiheit, stellte sich ein Gefühl der Befreiung und des Gesichert-Seins ein.

Am letzten der dicht gefüllten Tage ging es darum, dies alles für unser Leben alltagstauglich zu machen. Ich nehme aus diesen Tagen wichtige Impulse mit nach Hause. Zum einen für den Prozess in meiner Gemeinschaft, die Konstitutionen den heutigen Gegebenheiten anzupassen („Alle Regeln haben geistliche Bedeutung“) und des weiteren für mich persönlich: mein Gelübde „Leben nach dem Evangelium“ ist neu gefüllt, weil ich gespürt habe, dieses Leben führt zu mehr Mensch-Sein, zu mehr Leben und zu mehr Liebe – zur Menschwerdung Gottes HEUTE. Wir konnten gut da sein, weil die äußeren Rahmenbedingungen bestens waren. Deshalb gilt allen Organisatoren und den fleißigen Helferinnen im Bildungshaus in Vöcklabruck ein großer DANK. Das Leitungsteam hat uns inspiriert und die 44 TeilnehmerInnen haben sich wechselseitig inspiriert. Gottes Schutz und Segen sei mit uns allen.

Sr. M. Regina Pröls
(Franziskusschwester Vierzehnheiligen)


„TAGE der geistlichen Herausforderung“ in Vöcklabruck Genau das war es für mich: eine geistliche Herausforderung. Es waren „geistliche“ Tage, mit Gebet, meditativen Elementen und gemeinsamer Eucharistiefeier, aber es war keine „abgehobene“ Zeit, sondern sie war immer rückgebunden an das Leben, an mein Leben – als Franziskanerin. Zugleich war genug „Herausforderung“ da, Anfragen an mich, an uns, (z.B. die Übung mit „Leitsätzen, die – unbewusst – mein Leben prägen“), aber ein gutes Maß davon, sodass es mich nicht entmutigt hat.

Überhaupt gab es eine wohltuende Mischung in vielerlei Hinsicht: es war anspruchsvoll, dann wieder einfach, ernsthaft, dann wieder humorvoll… Was bleibt? Viel Motivation, das Evangelium zu leben, auch wenn es nur ein Satz am Tag wäre, als Kern und Herz aller Regelungen. Provokante Aussagen, über die man zunächst einmal lachen mag, prägen sich besonders gut ein und sind später äußerst hilfreich, weil man sie sich merkt.
Zum Thema richtig verstandene Demut: - Jammern wir doch Gott nicht vor, was er an uns für eine „Fehlkonstruktion“ geschaffen hat… oder: - Die Sünde ist ein „Lockruf Gottes“ an mich, dass ich mich ändere… oder: - Gott liebt uns „wegen nichts“… oder: - Verzicht ist das „Beiwerk“ der Liebe, nicht das „Hauptwerk“ und viele andere treffende Aussagen.

Dazu bleibt natürlich viel gute Erinnerung an franziskanisch gelebte Geschwisterlichkeit während der Tage. Danke den Referenten und TeilnehmerInnen!

Sr. Petra
(Graz)


Einige Gedanken zu den bereichenden Tagen der geistlichen Herausforderung. Die Franziskanische Gemeinschaft, der Weltliche Franziskaner-Orden (OFS)hat am 24. Juni 1978 die neu gefasste Regel des Ordo Franciscanus Saecularis von Papst Paul VI. bestätigt bekommen. Die Regel wurde uns zur Lebensnorm und Lebensform. Wir sind eingeladen zu eigenem schöpferischen Handeln und voller Mitverant-wortung sowie das Hinhören auf den durch die Zeichen der Zeit zu uns sprechenden Heiligen Geist. (Aus dem Schreiben der vier Generalminister OFM, OFMCap,OFMConv.,TOR.)

In den Tagen der geistlichen Herausforderung hat mich das genaue betrachten der „Regel“ mit ihren negativen und positiven Seiten, meine eigenen „Lebensregeln“ bewusst gemacht. „Eine Regel, die nicht dient, dient zu nichts“. Auch habe ich mich auf sein Wort eingelassen, das mir meinen freien Willen lässt. „Wer mein Jünger sein will… (Mt 16,24). Für Franziskus war das Evangelium kein Moralbuch, sondern ein Glaubensbuch. Es war für ihn das Beste. Franz und Klara haben sich auf die Menschwerdung Gottes eingelassen, die durch Jesus von Nazareth in die Welt gekommen ist. Franziskus wollte die Menschen durch die Regel menschlicher machen.

Meine Aufgabe als Mitglied des Weltlichen Franziskanerordens (OFS) ist es, das Evangelium im eigenen Leben so konkret wie möglich erkennbar zu machen. Es geht darum, in den heutigen Problemfeldern das Evangelium zu leben, Kirche zu sein, im Geist Jesu auf die Menschen und die Welt zu zugehen. „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm“ (1Joh. 4,16). Darin sehe ich meinen Sendungsauftrag. Es geht darum, ein Mensch zu sein, der sich selbst liebt, zum Menschen ja sagt, ihn liebt und respektiert, wo in den Franziskanischen Gemeinschaften alle gleichwertig sind und alle miteinander Verantwortung tragen, in der man sich gegenseitig verzeiht und erträgt, wo jeder seinen eigenen Freiheitsraum innerhalb einer geschwisterlichen Gemeinschaft hat.

Ein solches Bedürfnis nach einem realen evangelischen Geist, nach der Erfahrung Gottes, nach menschlicher Geschwisterlichkeit, nach dem Geist des Dienens, nach Zärtlichkeit, nach Armut und Teilen, nach Freiheit und Freude, das alles wurde in mir vertieft. Immer wieder muss ich mich neu dem Anspruch des Evangeliums stellen und eine neue Lebensform suchen. Am Leben des hl. Franziskus ist abzulesen, wie der Geist Gottes in der Kraft des Evangeliums einen Menschen und mit ihm eine ganze Kirche verändern kann. Jeder neuen Generation von Brüdern und Schwestern kommt die Freiheit und Aufgabe zu, die Lebbarkeit in ihrer Zeit unter Beweis zu stellen. Dazu gehören Initiative, Phantasie und der Mut, Altgewordenes zu durchbrechen. In diesen Tagen habe ich mein konkretes Leben beleuchtet und bin besonders dem Referenten Dr. Georg Beirer dankbar, weiters auch Sr. Pernela, Sr. Paulin und allen, die für das gute Gelingen der INFAG Tage in Vöcklabruck ihren Beitrag geleistet haben.

Christine Wuchse OFS
(Franziskanische Gemeinschaft Österreichs)



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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:21