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Sozialforum 2009
in Deutschland
Unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich“ finden seit mehreren Jahren Sozialforen auf Weltebene, auf Europaebene und auf Länderebene statt.

Das 3. Sozialforum in Deutschland wurde vom 15.-18. Oktober 2009 im Wendland veranstaltet.


Auf dem Sozialforum wurden in Hauptforen und Workshops acht Themenbereiche behandelt:
1. Solidarische Wege aus der Krise: Umverteilung und gerechte Teilhabe, gute Arbeit und Wirtschaftsdemokratie
2. Ökologie und Energiepolitik
3. Globale Friedenspolitik und ihre lokalen Konsequenzen
4. Ernährungskrise und Entwicklung des ländlichen Raumes
5. Internationale Solidarität statt Volksgemeinschaft
6. Für das Recht auf Bildung – statt Bildung als Ware
7. Solidarische Ökonomie
8. Unser Recht auf Gesundheit



Versammlung sozialer Bewegungen

Das Sozialforum in Deutschland versteht sich wie die anderen Sozialforen als Raum der Debatte und des Austauschs und verabschiedet keine politischen Stellungnahmen (siehe auch Charta von Porto Alegre). Daher fand am 18. Oktober 2009 in Hitzacker im direkten Anschluss an das Sozialforum eine "Versammlung sozialer Bewegungen" statt. Dort debattierten und verabschiedeten Vertreter und Aktive verschiedenster sozialer Bewegungen in einem großen öffentlichen Plenum zusammen mit anderen TeilnehmerInnen des Sozialforum die nachfolgend dokumentierte

Erklärung der Versammlung sozialer Bewegungen

Unter dem Motto "Für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Natur" sind wir 2005 erstmalig zu einem Sozialforum in Deutschland zusammengekommen. Seitdem haben sich die Welt, Europa und unser Land weiterhin so verändert, dass für die meisten Menschen die Lebensbedingungen insgesamt schlechter geworden sind. Die Distanz zwischen heutiger Lebenswirklichkeit und einer Gesellschaft, in der jede und jeder selbstbestimmt in Würde, solidarischem Miteinander und intakter Natur leben können, ist gewachsen. Vor allem die Lage der global Ärmsten ist noch dramatischer geworden unter dem zusätzlichen Druck von Finanz- und Wirtschaftskrisen, verquickt mit Ernährungs-, Umwelt- und Energiekrisen.

Die Richtung und die Art und Weise gesellschaftlicher Entwicklung müssen also endlich verändert werden und daran wollen wir intensiv arbeiten: gegen Armut, soziale Ausgrenzung, Prekarisierung und soziale Spaltungen - für sofortige Hilfen für die Ärmsten und Schritte hin zu sozialer Gerechtigkeit; gegen die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen - für den Erhalt und die Gesundung der Ökosysteme; gegen jegliche Diskriminierung von Menschen, gegen Entdemokratisierung, Überwachung und Repression, gegen die Privatisierung öffentlicher Güter und Leistungen, gegen jegliche Toleranz von Frauenunterdrückung und Sexismus, gegen Rassismus, Neofaschismus, politischen Extremismus und religiösen Fundamentalismus - für die Realisierung der Grundrechte für jede und jeden; gegen Krieg, Militarisierung und deren Ursachen - für eine Politik, die Konflikte friedlich löst und vermeidet.

Darum geht es lokal und regional, bundes- und EU-weit, in Europa und global - gleichzeitig und solidarisch, in ständiger Suche nach den Gemeinsamkeiten in inhaltlichen Positionen, die wir gemeinsam politikwirksam machen wollen. Deshalb ringen wir um gemeinsame Projekte demokratischer Gesellschaftsveränderung, setzen auf kollektives Lernen und wissen, dass wir uns selbst verändern müssen.

Das beginnt bei der Benennung der Hauptursachen für die gesellschaftlichen Zustände: die gesellschaftspolitischen Macht- und Eigentumsverhältnisse, die Produktions- und Konsumtionsstrukturen, die kapitalistische Produktionsweise. Die Hauptverantwortlichen für die Krisen, für die gesellschaftliche und ökologische Zerstörung sind die heute Herrschenden: Die Regierungen in den kapitalistischen Metropolen und die sie tragenden politischen Parteien, die Institutionen des globalen und europäischen Finanzkapitals, die transnationalen Konzerne, Banken, Fonds und Versicherungen, das militärische Establishment mit seinen strategischen Vordenkern und seinem militärisch-industriellen Komplex.

Gegen sie mobilisieren wir hier und heute und beim -Klimagipfel" im Dezember in Kopenhagen, anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz vom 5. bis 7. Februar und der NATO-Ratstagung 2010 in Portugal, wo es nicht zuletzt um das neue Strategische Konzept des aggressiven Militärbündnisses geht, bei unseren Aktionen im Europäischen Jahr zur Armutsbekämpfung (2010), die wir mit globaler Solidarität verbinden.

Mit unseren Erfahrungen, Fragen und Konzepten bringen wir uns in das sechste Europäische Sozialforum im Juni 2010 in Istanbul ein. Wir werden im Frühherbst 2010 eine Bilanz unserer Aktivitäten und strategischen Arbeit ziehen und über ein 4. Sozialforum in Deutschland entscheiden.

Quelle: www.sozialforum2009.de



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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:33