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Biblische Grundlagen des klarianischen Charismas
Dass Franz von Assisis Lebensform ganz eng mit dem Hören des Evangeliums verknüpft ist, weiß jeder franziskanisch geprägte Mensch (vgl. Test 14 ff oder NbR 1). Aber bei der Frage nach Franziskus' bevorzugtem Evangelium (nicht statistisch gesehen, sondern von der theologischen Bedeutung her betrachtet), führt die "Treffsicherheit" bei der Beantwortung schon eher rein zufällig in die richtige Richtung.


Nicht so bei den 12 Schwestern, die im Februar der Einladung der Föderationspräsidentin der deutschsprachigen Klarissen Sr. Bernadette Bargel (Kevelaer) ins winterliche Hofheim gefolgt waren, um sich dort gemeinsam in der franziskanischen Spiritualität weiterzubilden.

Denn P. Johannes Baptist Freyer ofm, Rektor des "Antonianum" in Rom, arbeitete intensiv am Thema der biblischen Grundlagen des franziskanischen Charismas und tauchte mit den Klara- Töchtern tief in die verschiedenen von Franziskus bevorzugten Schriftstellen ein. So wurden ganz zentrale Themen umkreist wie z.B. Jesus: Weg, Wahrheit und Leben; das Liebesgebot; die goldene Regel; die Seligpreisungen; das Dienen; die Sendungsaufträge; aber auch die Entwicklung der franziskanischen Hermeneutik wurde leicht verständlich vor Augen geführt. Dass der Referent dabei gleichzeitig als Professor und als Mitbruder alle Teilnehmerinnen für diese Thematik zu begeistern vermochte und sie behutsam und sicher über die theologischen Fragestellungen zu den wesentlichen franziskanischen Schlüsselfragen führte, zeichnet ihn als überzeugenden Franziskus-Sohn in dessen Fußspuren aus.

Ebenso überzeugend auf seinem "Spezialgebiet" gestaltete P. Klaus-Josef Färber ofm seinen Part während dieses Seminars, diesmal in verschachtelter Tagesabfolge, was aber durch die Methodenvielfalt und dem intensiven Austausch dem gesamten Lernprozess sehr zugute kam. Neben dem aufmerksamen, gemeinsamen Betrachten von Klaras Wort an ihre Schwestern, den Lärm aus dem Herzen zu vertreiben (ist dieser Rat heute nicht noch genauso aktuell wie damals?!), lenkte er geschickt die Aufmerksamkeit auf die franziskanische Ausprägung der Armut und Demut und ihre Verwirklichung in unserem je eigenen Leben heute.

Bevor dann gegen Ende der gemeinsamen Tage die sieben Freuden der hl. Klara nach einem sehr tiefen und ausdrucksstarken Gebet der Nürnberger Klarisse Katharina Hofman (um 1350) nachempfunden wurde, bahnte sich am zehnten Tage der eher ungewollte Höhepunkt an: ein mitreißendes und schweißtreibendes Bibliodrama, bei welchem die Tempelreinigung spontan in Szene gesetzt wurde (auch die Nebenrollen eines Tisches, des Glaubens, der Zuschauer, einer Taube und eines Schafes wurden mit Hauptdarstellern besetzt ... Oskarverdächtig!!!) .

Ein besonderer Dank gilt Sr. Bernadette, die als Föderationspräsidentin dieses Ordensseminar schon seit Jahren mit großem Eifer organisiert und leitet, dabei auch immer wieder selbst inhaltlich einige Einheiten gestaltet - dieses Jahr zum Thema Abrahams Auszug ins verheißene Land - und wesentlich zum Zustandekommen und guten Gelingen dieser Weiterbildung beiträgt. Darüber hinaus ermöglicht sie aber auch durch ihren Einsatz den allseits geschätzten Raum der geschwisterlichen Begegnung und des Zusammenwachsens innerhalb der klarianisch-franziskanischen Familie. Insofern war es in diesem Jahr eine besonders glückliche Fügung, dass wir an Ort und Stelle gemeinsam mit ihr ihren Namenstag feiern und ihr dadurch unsere Wertschätzung all ihrer Mühen dankbar zum Ausdruck bringen konnten!

Und wer meint, nur am Rhein könnte man "ordentlich" Fastnacht feiern, war noch nie an Altweiberfastnacht in Hofheim und hat dort einen heimlichen Blick in die Kellerstube geworfen: denn dort saß die ganze franziskanische Familie (1.+2.+3. Orden=ordentlich!) im wahrsten Sinne des Wortes "wohlbehütet" beieinander, um miteinander die vollkommene Freude zu praktizieren und die oft zu gebrauchenden Lachmuskeln zu trainieren - auch das ein nicht zu unterschätzendes Lernziel des Seminars.

So sind alle Teilnehmerinnen nach den dichten gemeinsamen Tagen voll Dankbarkeit und reich beschenkt in ihre jeweiligen Konvente zurückgekehrt, wo sie das Erfahrene und Gelernte gerne weiterleben lassen auf ihre je ganz persönliche Weise.

Wer übrigens in Bezug auf die eingangs gestellte Frage (fast) genauso schlau sein möchte wie die gelehrigen Klarissen, dem sei hier die theologisch richtige Antwort verraten: das Johannes-Evangelium!!!

Sr. Franziska Katharina OSCcap, Mainz



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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:21