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Br. José Rodriguez Carballo neuer Generalminister
Die 152 Mitglieder des 187. Generalkapitels der Franziskaner wählten am 04. Juni 2009 Br. José Rodriguez Carballo für weitere sechs Jahre zum Generalminister.



Vom 24. Mai bis zum 20. Juni 2009 tagt in Assisi das 187. Generalkapitel der Franziskaner.

Es steht unter dem Leitwort: „Verkünder des Wortes des Herrn in der ganzen Welt“.

Die Wahl der neuen Generalleitung wurde unter dem Vorsitz des Päpstlichen Delegaten, Kardinal José Saraiva Martins, durchgeführt.

Generalminister
Br. José Rodriguez Carballo

Er ist der 119. Nachfolger des Hl. Franziskus.
Bis 2015 wird er den Orden leiten, der rund 15.000 Mitglieder in 113 Ländern umfasst.


Generaldefinitorium

Generalvikar (Bild links):
Br. Michael Anthony Perry
(Provinzial der Sacred Heart Provinz, USA)

Generaldefinitoren:
Br. Vincenzo Brocanelli (bisher Generalkurie)
Br. Julio Cesar Bunadar (Argentinien)
Br. Roger Marschall (Frankreich)
Br. Nestor Schwerz (bisher Generalkurie)
Br. Erneste Karol Sibierka (bisher Generalsekretär)
Br. Paskalis Bruno Syukur (Indonesien)
Br. Vicente Felipe Tapia (Spanien)
Br. Francis Walter (USA)
Br. Vinzent Zungu (Südafrika)

Bilder und Kurzbiografien: www.ofm.org


Biografie Generalminister

Br. José Rodriguez Carballo wird im August 56 Jahre alt. Er ist am 11.08.1953 in Santiago de Compostela geboren. Seine Feierliche Profess legte er am 01.01.1976 ab. Die Priesterweihe erfolgte am 29.06.1977 durch P. Paul VI. in St. Peter in Rom. Er ist Generalminister seit 2003 und diente dem Orden als Generaldefinitor und Generalsekretär für Ausbildung und Studien. Er war Provinzial der Provinz von Santiago de Compostela (Spanien); Präsident der Vereinigung der Minderen Brüder in Europa und Ausbildungsleiter. Br. José hat ein Lizentiat in Biblischer Theologie (Jerusalem) und in Hl. Schrift (Rom). Er lehrte diese Fächer am Höheren Seminar in Vigo (Spanien) und an der Theologischen Fakultät von Santiago de Compostela. Br. José spricht Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Französisch und Englisch.

Seinen Rechenschaftsbericht über die erste Amtsperiode beendet Br. Jose wie folgt:

ES IST ZEIT ZU TRÄUMEN

Das Schlimmste, das einem Menschen passieren kann, ist, dass er aufhört zu träumen. Das bedeutet, dass er die Fähigkeit verloren hat, Zukunft zu gestalten, dass er darauf verzichtet, die Gegenwart mit Leidenschaft zu leben, und der Tod sich schließlich mit Riesenschritten nähert. Deshalb möchte ich träumen, möchte, dass alle Brüder den Wunsch haben zu träumen, um die Zukunft zu leben und zu gestalten. Darum lade ich euch ein, mit mir zu träumen. Wenn einer alleine träumt, kann der Traum reine Utopie bleiben, wenn zwei gemeinsam träumen, wird sich der Traum vielleicht verwirklichen. Und wenn statt zwei etwa 16.000 träumen? Liebe Brüder, ich lade euch ein, mit mir einige Träume zu teilen, die - Gott sei Dank - nicht nur meine sind.

Ich träume von einem kontemplativen franziskanischen Leben, in dem wir Brüder uns mit Leidenschaft bewegen, offen für das Wehen des Geistes. Ich träume von einem Leben, das - voller Staunen und Begeisterung - in der Begegnung mit Jesus Christus verwurzelt ist, der uns aufruft, ihm mit ganzem Herzen zu folgen, jede Stunde des Tages und mit vollem Einsatz. Ich träume von einem franziskanischen Leben, das in einer Welt, in der die Götzen zahlreicher werden und der Glaube sich auflöst oder auf Abwege kommt, zu einem prophetischen Schrei nach dem Absoluten Gottes wird.

Ich träume von einem franziskanischen Leben, das stets vom Wirken des Geistes bewegt wird und seinen Inspirationen treu ist. Das würde ein franziskanisches Leben sein, das neue Wege des Evangeliums erforschen, neue Präsenzen, wo Er es empfiehlt, eröffnen kann. Ich träume von einem franziskanischen Leben, in dem die Passivität, die Angst, die Anpassung und der Konformismus, wie sehr sie sich auch mit Logik und Klugheit maskieren mögen, den Weg freigeben für Kühnheit und evangelische Kreativität, Zeichen der Gegenwart des Geistes in uns.

Ich träume von einem franziskanischen Leben, das der Lebensform des hl. Franziskus folgt und dadurch fähig wird, das Unmenschliche unserer Zeit zu erkennen, und den Mut hat, an die Peripherie zu gehen, an die Fronten, zu den inhumanen Klöstern, wohin niemand gehen will, um die Aussätzigen zu umarmen und sie der Liebe Gottes zu zeigen.

Ich träume von einem prophetischen franziskanischen Leben, das durch eine tiefe Vereinigung mit Christus sich in Leidenschaft und in eine Erfahrung verwandelt, die Leben begründet; ich träume von einem Leben, das den dringenden Wunsch verspürt, das barmherzige Antlitz Gottes, die Brüderlichkeit, die Versöhnung, den Frieden und die Solidarität zu verkünden. Ich träume von einem franziskanischen Leben, das sich in Erinnerung verwandelt, die die Zärtlichkeit unseres Gottes und die Kraft seines Geistes bezeugt.

Ich träume von einem samaritanischen franziskanischen Leben in einer Welt voller Menschen, die verletzt, halbtot, vergewaltigt, ohne Sicherheit, verlassen an der Straße liegen. Ich träume von einem franziskanischen Leben, das sich der Mission widmet, eingegliedert und inkulturiert, Frucht einer tiefen Kontemplation, eines entschlossenen Loslassens und einer großen Liebe zu den Menschen, weil es nur so eine neue Kultur des Lebens und der Liebe hervorbringen kann.

Ich träume von einem franziskanischen Leben, dass Prophetie der Brüderlichkeit ist, das alle anspricht und mitten in einer Welt, die von Rivalität und Gewalt jeder Art zerrissen ist, Raum bietet für Begegnung, Gastlichkeit, Unentgeltlichkeit, Fest, heiteres und fröhliches Teilen. Ein franziskanisches Leben, das Erinnerung ist und den vitalen Wunsch weckt, der in jedem Menschenherz lebt, mit den anderen zu leben und nicht neben den anderen.

Ich träume von einem franziskanischen Leben, in dem die Armut nicht viele Diskussionen hervorruft, sondern eine Wirklichkeit des Herzens ist, die Freude schafft; in dem der Gehorsam nicht als Kampf und Resignation gelebt wird, sondern als ein leidenschaftliches Streben nach Dialog und der Erkenntnis des Willens Gottes; wo die Keuschheit und der Zölibat gelebt werden mit einem Herzen, das für alle offen ist, und mit der Bereitschaft, freiwillig loszulassen.

Ich träume von einem franziskanischen Leben, das mit Klarsicht ausgestattet in die Ferne sehen kann, um zu erkennen, was die anderen nicht sehen, voll Fantasie und Mut, bereit, sich zu engagieren bei der Suche nach alternativen Lebensformen. Ich träume von einem franziskanischen Leben, das nach dem Stil des hl. Franziskus mit kreativer Treue die Kirche liebt und wesentlich österlich ist: Zeichen, Symbol, Parabel und Prophetie des Reiches Gottes.

Ich träume von einem franziskanischen Leben, das auf alles verzichten kann, was uns hindert, in die von Franziskus vor 800 Jahren angegebene Richtung zu gehen. Ich träume von einem franziskanischen Leben, das fähig ist, neue Schläuche für neuen Wein zu schaffen, neue Antworten auf neue Herausforderungen geben kann, das neue Strukturen schafft, die geeignet sind, Leben zu übertragen, Leben in Fülle.

Ich träume von einem franziskanischen Leben, das mit leichtem Gepäck in die Zukunft schreitet, indem es dem Herrn der Geschichte folgt, mit dem Feuer der Leidenschaft, die in den Herzen brennt, das weiß, dass Er heute große Dinge vollbringen kann mit Menschen, die ein demütiges Herz haben, wie er es vor 800 Jahren mit Franziskus und Klara von Assisi getan hat.

Der Prophet verkündete, dass Tage kommen würden, an denen die Jungen rufen und die Alten prophetisch reden würden. Und wenn diese Tage bereits gekommen wären?

(José Rodríguez Carballo ofm, Authentisch und offen für die Zukunft, Bericht des Generalministers an das Kapitel 2009, S. 283-285)



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