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Brüderliches Pfingsten
Vom 13.-16. Mai 2008 trafen sich rund 120 Franziskaner aus Deutschland zu einem Mattenkapitel in Vierzehnheiligen. Unter dem (Film-)Titel „Vaya con Dios – Geh` mit Gott“ standen die Begegnung und das Zusammenwachsen der Provinzen im Vordergrund. Im Jahr 2010 werden sich die vier Franziskanerprovinzen in Deutschland zu einer Provinz zusammenschließen.





Der Film „Vaya con Dios“ diente als Einstieg in das gemeinsame Treffen.
In kleinen Gesprächsgruppen tauschten sich die Brüder zu den Stichworten „Mein Lebensweg – mein Glaubensweg – unser gemeinsamer Weg“ zu wesentlichen Aspekten des Films aus. Dabei ging es auch darum, der Vision nachzuspüren, die jeder einzelne Bruder und die jede Provinz in die neue gesamtdeutsche Provinz einbringt.



Br. Franz-Leo Barden berichtete als Vorsitzender des 4-D-Kooperationsrates über den Stand des Fusionsprozesses. „Vaya con Dios – Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Provinz“ sind bereits wichtige Meilensteine bewältigt worden. Derzeit tagen verschiedene Kommissionen, um die Fusion in den Bereichen Verwaltung, Recht, Finanzen, Kulturelles Erbe, Öffentlichkeitsarbeit, Missionarische Evangelisierung usw. vorzubereiten. Parallel dazu findet die spirituelle Vorbereitung statt.



Eine Kirchenführung mit Br. Benedikt Grimm „Geh mit Gott – geistlicher Weg durch die Basilika“ erschloss den spirituellen Ort Vierzehnheiligen als Wallfahrts- und Pilgerstätte.
Miteinander feierten die Brüder zwei Gottesdienste am Gnadenort. Sie vertieften eines der zentralen Lieder des Films: "Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit... Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichen Segen...!"



Neben die „Innenschau“ trat die Außenperspektive und der Blick auf die Herausforderungen der heutigen Zeit. In einem Vortrag zeigte Bundesminister a. D. Dr. Heiner Geißler „Die politische Dimension des Evangeliums“ auf.

In einem ersten Teil zeichnete er sein persönliches Jesusbild nach und arbeitete die Aspekte heraus, die für ihn die wesentlichen Kennzeichen und Forderungen der Botschaft Jesu sind. Seine Provokationen der Mächtigen damals sind zugleich Provokationen für die Spekulanten und Manager von heute. In einem zweiten Teil erläuterte Dr. Geißler die Frage nach der rechten Ordnung und dem rechten Menschenbild als entscheidende politische Frage, deren Antwort für ihn im Evangelium zu finden ist, u.a. in der Bergpredigt. Die zentrale Aussage „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (weil sie in Gott verankert ist und damit der Interpretation der Mächtigen entzogen) findet sich in Art. 1 unseres Grundgesetzes wider.
Anhand zahlreicher Beispiele unterstrich Dr. Geißler, wie die Ökonomisierung unserer Gesellschaft voranschreitet und der Mensch zum Kostenfaktor degradiert und damit zum Objekt gemacht wird. Für den Referenten ist unser Wirtschaftssystem krank, unsittlich und auf Dauer nicht konsensfähig. Die Maxime „Jeder hilft sich selbst“, indem er einen Kapitalstock für Gesundheit und Rente aufzubauen hat, ist für ihn eine „heidnische Parole“.

Für Geißler bedarf es der Internationalisierung der Politik, um angesichts der Globalisierung eine Internationale Soziale Marktwirtschaft zu schaffen. Die Ökonomie brauche ein Wertesystem und einen geordneten Wettbewerb. Ebenso wichtig sei eine Globalisierung der Solidarität.
Als Extrakt seiner Ausführungen bezeichnete Dr. Geißler die Gerichtsrede Jesu als franziskanisches Programm und ermutigte die Brüder, sich wie Jesus um der Sache der Gerechtigkeit willen mit den Mächtigen anzulegen, mit ihnen zu streiten und dafür zu demonstrieren, dass die Würde des Menschen geachtet wird, indem das Geld den Menschen dient und nicht umgekehrt.


„Geh mit Gott – geistlicher Weg um Vierzehnheiligen“.
Mit diesem Gedanken begaben sich die Brüder selbst auf den Pilgerweg, der symbolisch für den gemeinsamen Weg hin zu einer Provinz in Deutschland stand, um dann das Mattenkapitel mit einer Eucharistiefeier in der Wallfahrtsbasilika zu beenden.


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:20