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Osterbrief 2008


Erstarrtes beleben

Erstarrtes Leben
hineingelegt in Grabesfels

Erstarrte Hoffnung
hineingelegt in Herzensleid

Erstarrter Glaube
hineingelegt in Wissensnot

Erstarrte Liebe
hineingelegt in Erlösungstod

Belebtes Leben
herausgesprengt aus Grabesfels

Belebte Hoffnung
herausgelebt aus Herzensleid

Belebter Glaube
herausgerufen aus Wissensnot

Belebte Liebe
Auferstanden aus Erlösungstod

Bruder Ulrich



Liebe Schwestern, liebe Brüder,

erneut möchte ich im Namen des Vorstandes und unserer Geschäftsführerin Schwester Marianne, Ihnen und Ihren Gemeinschaften herzliche Glück- und Segenswünsche zum Fest der Auferstehung zusenden und diese mit Bild und Text ergänzen. Erstarrtes beleben und das Leben nicht nur zu Grabe tragen, diesen Gedanken möchte ich an den Anfang meines Osterbriefes setzen. Dies ist Botschaft des Evangeliums und unser Auftrag als Christen.

Die Bilder, der im vergangenen Jahr vor unserem St. Josefshaus geschaffenen Skulptur sollen diese Botschaft ebenfalls deutlich machen. In diesen über vier Meter hohen Sandsteinblock hat der Künstler einen Zugang ins Innere geschaffen und auf diese Weise ist ein begehbares Kunstwerk entstanden.
Der Stein selbst, in all seiner Unübersehbarkeit, steht für das Leben. Er ist somit kein Grabstein, sondern ein Lebensstein. Er ist nicht Grabeshöhle, sondern Geburtsgrotte, weil der Tod für uns Christen nicht Ende, sondern in Jesus Christus nie endender Neuanfang ist.

Im Johannesevangelium lesen wir: „Petrus und der andere Jünger machten sich auf und eilten zum Grabe. Beide liefen zugleich, doch der andere Jünger lief schneller als Petrus und kam als erster zum Grabe.“ (20.3,4) Und weiter lesen wir: „Nun ging auch der andere Jünger, der als erster zum Grabe gekommen war hinein, und sah und glaubte.“ (20,8)

Hineingehen in das Leben, in das eigene und in das der Menschen meines Lebens. Wirklich hineingehen, hineinsehen in jedes Leben, mag es auch noch so verborgen, unansehnlich oder verkümmert sein, und der Botschaft des Auferstandenen glauben, das ist Leben aus dem Glauben. So wird diesem Stein, diesem erstarrten Leben aus vergangenem Erdzeitalter neues Leben eingehaucht. Durch das Kreuz, welches in die obere Seite des Steines gebrochen ist, fällt Licht in das Dunkel im Inneren. Symbolisch dafür, dass das Leben und selbst der Tod nicht Ende, sondern letztlich Durchgang zu neuem Leben ist. Wahrlich österlich geprägte Menschen leben aus diesem Geheimnis der Auferstehung.

Das eigene Leben öffnen, damit das Licht des Auferstandenen auch durch mich in die Welt und das Leben der Menschen fallen kann, sicherlich eine zutiefst franziskanische Lebensweise. Deswegen hat der Künstler auch diese in sich ruhende Gestalt des Hl. Franziskus im Inneren der Skulptur geschaffen, denn Franziskus ließ sich ganz von dieser erlösenden Kreuzesbotschaft durchdringen, erhielt leibhaftig die Prägemerkmale des Auferstandenen.

So wünsche ich Ihnen allen und den vielen Schwestern und Brüdern Ihrer Gemeinschaften diese Erfahrung, dass Christus selbst jede Erstarrung in Leben wandelt.

In franziskanischer Weggemeinschaft und im Licht des Auferstandenen Ihnen und Euch verbunden

Br. Ulrich Schmitz

INFAG-Vorsitzender

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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:33