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Kapuziner verlassen Koblenz und Augsburg
In Koblenz waren die Kapuziner seit 1627 ansässig, in Augsburg ebenfalls seit dem 17. Jahrhundert.


Koblenz
1627 hatte sich der Orden erstmals mit einem Kloster in Ehrenbreitstein angesiedelt. 1813 wurden die Brüder aus dem Kloster vertrieben und 1862 wieder an den Rhein geholt. Seit 1908 beherbergte das Kloster die Verwaltungszentrale der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerordensprovinz. Damit verbunden war auch der Dienstsitz des jeweiligen Ordensoberen der Brüder, die in Deutschland mit den bayerischen Kapuzinern noch in zwei Provinzen vertreten sind. In Koblenz wurde Anfang des letzten Jahrhunderts das Seraphische Liebeswerk gegründet, zeitweise war mit dem Kloster eine Schule verbunden.

Die Auflösung des Klosters erfolgt im Hinblick auf die abnehmende Zahl von Ordensmitgliedern. Damit geht 2010 die Vereinigung der beiden deutschen Kapuzinerordensprovinzen mit voraussichtlichem Sitz in München einher. Die Verwaltung der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz verlässt deshalb schon in diesem Jahr Ehrenbreitstein und zieht in die bayerische Landeshauptstadt, dem Verwaltungssitz der Bayerischen Kapuziner. Der Provinzial der Rheinisch-Westfälischen Provinz, Br. Christophorus Goedereis, hatte schon im November des vergangenen Jahres seinen Amtssitz nach Frankfurt am Main verlegt: "Franziskanisches Leben ist nicht an einzelne Orte gebunden. Trotzdem tut die Schließung eines so alten Klosters weh", bedauert der 41-jährige Ordensobere die Schließung des Ehrenbreitsteiner Klosters. Der erste gesamtdeutsche Provinzial werde ab 2010 wohl von München aus für die dann knapp 160 Kapuziner in etwa 20 Niederlassungen in Deutschland zuständig sein.


Festgottesdienst i.d. Klosterkirche:
Provinzial Christophorus Goedereis, Prälat Dr. Georg Holkenbrink, Pater Linus Rettich (vlnr)


Koblenz – „Der Abschied tut weh, aber wir gehen in der Zuversicht, dass die Lebensform des Hl. Franziskus mit „Auf dem Weg sein“ zu tun hat.“
So begrüßte der Provinzial der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz, Christophorus Goedereis, die Festgemeinde in der Klosterkirche am 14. September zum Abschied der Kapuziner aus Koblenz-Ehrenbreitstein und der Auflösung des Klosters. Die Verabschiedung erfolge aus äußeren Gründen wie die abnehmende Zahl von Ordensmitgliedern und die Zusammenlegung der beiden deutschen Ordensprovinzen. „Wir gehen in Dankbarkeit gegenüber der Pfarrei, dem Ort, dem Dekanat, dem Bistum“, betonte der Provinzial, „alles hat seine Zeit. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft haben eine innere Ausrichtung auf den, der alles an sich zieht.“

Beim Festgottesdienst konzelebrierten Pater Linus Rettich, Hausoberer des Klosters Ehrenbreitstein, Dechant Eugen Vogt, der Moderator des Seelsorgebezirks Rechte Rheinseite Thomas Gerber sowie die Kapuziner Pater Suitbert, Pater Berthold und Pater Markus. Die musikalische Gestaltung übernahm der Gemeinschaftschor der Pfarreien Heilig Kreuz Ehrenbreitstein und St. Aldegundis Arzheim. Die Schützenbruderschaft, die 1948 von den Kapuzinern gegründete Kirmesgesellschaft und die Feuerwehr Ehrenbreitstein waren mit Fahnenabordnungen vertreten. Dechant Vogt und Pfarrer Gerber bedankten sich in ihren Grußworten für das Wirken der Kapuziner. „Wir verlieren heute einen Ort geistlichen Lebens, von dem Segen für viele Menschen ausgegangen ist“, bedauerte Vogt. Es sei ein Markenzeichen der Kapuziner gewesen, der Kirche ein menschenfreundliches Gesicht zu geben.

Pressedienst, Bistum Trier, 16. September 2008 (Auszug) Quelle: www.kapuziner.de


Augsburg

Kapuziner nehmen schweren Herzens Abschied

Eine Ära geht zu Ende. Mitte Oktober wird die Niederlassung der Kapuziner von St. Sebastian aufgelöst. Sie bestand zuletzt aus Pater Siegbert Mayer (Leitung) und Pater Guido Kreppold. Damit schließt auch das Franziskanische Zentrum, das die Kapuziner als Bildungshaus geleitet haben. "Da ist Trauer", sagt Pater Guido Kreppold. Er verhehlt nicht, wie sehr ihn dieser Abschied, von der Ordensleitung der bayerischen Kapuziner beschlossen, schmerzt. Der Grund des Abzugs: Der Orden hat keinen Nachwuchs mehr.

Die Kapuziner von Augsburg, in ihrem ersten Kloster in der Kapuzinergasse und dann in St. Sebastian, waren seit jeher für die Bedürftigen da. Im 17. Jahrhundert standen Kapuziner den Pestkranken zur Seite, im 18. Jahrhundert hörten sie in einem Jahr allein 69 000 Beichten. Im 20. Jahrhundert verteilten sie Brot (1932 wurden täglich 295 Mittagessen und 800 bis 1000 Stück Brot ausgegeben) und am Beginn des 21. Jahrhunderts suchten sie nach neuen Formen, wie Menschen Gott finden können.

Neben solchen traditionellen Frömmigkeitsformen entwickelten sich neue spirituelle Angebote, eng mit Pater Guido verbunden, der seit 1984 in St. Sebastian wirkt. Die "heilende Seelsorge" an Menschen in schweren Lebens- und Glaubenskrisen liegt dem Theologen und Psychologen am Herzen. Er lehrt sie einen neuen Zugang zum Glauben etwa durch Meditation, Gespräche oder Vorträge. "Wir haben versucht, Türen zu öffnen für säkularisierte Menschen." Es war ein Weg abseits traditioneller Bahnen. 1968 öffnete sich das Kapuzinerkloster zum religiösen Bildungshaus, dem Franziskanischen Zentrum. Die größte Anziehungskraft in den vergangenen Jahren hatten hier vor allem Kurse für meditative Tänze. In St. Sebastian angesiedelt und mit den Kapuzinern eng verbunden ist auch die "Franziskanische Gemeinschaft". Zu ihr gehören rund 80 Laien, die ihr Leben am Vorbild des heiligen Franziskus ausrichten. Sie können vorerst noch bleiben, so Prälat Bertram Meier, Ordensreferent der Diözese Augsburg, die Eigentümerin von Kirche und Haus ist. Dann werde sich vielleicht Raum in einer der franziskanischen Klostergemeinschaften in Augsburg finden. "Vor Herbst nächsten Jahres werden wir St. Sebastian nicht umgebaut haben", so Meier.

Künftig soll die Kroatische Gemeinde in St. Sebastian ihren Ort bekommen. Auch wird überlegt, dort Einrichtungen der Betriebsseelsorge von KAB und CAJ unterzubringen. Pater Siegbert wird ab Mitte November in der City-Seelsorge in Ingolstadt mitwirken. Pater Guido sagt, er habe eine Option für Eichstätt, wo er "mit vielen jungen Leuten" arbeiten könne.

Info: Die Kapuziner verabschieden sich am Sonntag, 26. Oktober, 14 Uhr, in St. Sebastian mit einem Gottesdienst. Prediger ist der Ordensreferent Prälat Bertram Meier.

Augsburger Allgemeine, Gerlinde Knoller, 23. September 2008 (Auszug)

Quelle: www.kapuziner.de


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