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Das Tau

TauDas so genannte „Tau“ ist ein Buchstabe im griechischen bzw. der letzte Buchstabe im hebräischen Alphabet („Taw“). Es hat in der Bibel eine besondere Bedeutung und in der Kunstgeschichte eine lange Tradition.

In der jüdischen Antike war das Taw so etwas wie eine verkürzte Unterschrift, insbesondere von Menschen, die des Schreibens nicht kundig waren. Am Ende seiner Verteidigungsrede sagt der Mann im Buch Hiob: „Dies ist mein Taw, jetzt gib du mir Antwort!“ (Hiob 31,35). Das Taw ist eine Art verbindliche Versiegelung. Im spätantiken Judentum steht es als Kürzel für die Tora. In den ersten fünf Büchern der Bibel sind Gottes Weisungen für ein Leben in Freiheit und Frieden versammelt.

Im Ersten Testament wird das Taw auch als Rettungszeichen verstanden. Als Jerusalem am Rand einer Katastrophe steht, gibt Gott beim Propheten Ezechiel einem Boten den Auftrag: „Gehe mitten durch die Stadt, mitten durch Jerusalem und mache ein Taw auf die Stirn der Männer, die seufzen und wehklagen über all die Greuel, die in ihr verübt wurden!“ (Ez 9,4). Bevor also das Strafgericht über die Stadt Jerusalem hereinbricht, lässt der Herr die Gerechten mit einem Tau auf der Stirn bezeichnen. Sie sollen von den Mächten der Zerstörung bewahrt bleiben.

Vermutlich war das Zeichen, das bei der Rettungstat Gottes für sein versklavtes Volk Israel an die Türen gemalt werden sollte, ebenfalls ein Taw. Es ziert Sarkophage und Grabdenkmäler und findet sich auch als frühchristliches Zeichen in den Katakomben, den Versammlungsorten der ersten Christen. Offensichtlich verstanden sie es als „Vor-Zeichen“ des Kreuzes, als Vor-Entwurf des Heilszeichens der Erlösung, das von Christus selber kommt. Das Kreuz, an dem Christus gekreuzigt wurde, hatte die Form des Taws; erst später am Ende des Mittelalters hat man den vierten Kreuzesbalken hinzugemalt. Auch das Motiv der Kupferschlange, die als Heilszeichen aufgerichtet ist, wird häufig mit einem tawförmigen Stab dargestellt. Sie wird zum Vor-Zeichen der Erhöhung Jesu am Kreuz. Die frühen christlichen Gemeinden fanden im letzten Buch der Bibel einen weiteren Zugang zu diesem Zeichen: Der Seher sieht einen Engel vom Sonnenaufgang kommen und das „Siegel des lebendigen Gottes“ tragen. Die Töchter und Söhne Gottes erhalten es eingeprägt, damit sie für das ewige Leben bewahrt bleiben (Offb 9). So tragen die 144.000 „Gezeichneten“ der Offenbarung des Johannes auf vielen Bildern das Taw als Rettungszeichen auf der Stirn. Der Kirchenvater Origenes berichtet, dass die Christen sich schon in der Frühen Kirche vor Arbeitsbeginn, dem Beten und Essen mit dem T-Zeichen bekreuzigt haben als Zeichen des Segens, des Schutzes und der Bewahrung. Die Initiale T des "Te igitur" im Eucharistischen Hochgebet wurde in den Messbüchern des Mittelalters häufig als Kreuz ausgestaltet.

Innozenz III. griff die Bedeutung des Taws bzw. Taus bei dem prachtvollsten Konzil des Mittelalters wieder auf. In seiner Eröffnungspredigt des IV. Laterankonzils (1215) sprach er vom Tau als einem Zeichen der Buße. So hätte das Kreuz Christi ausgesehen, bevor Pilatus seine Holztafel anbringen ließ. Wer ist Geist Jesu lebe, trage sein Zeichen auf der Stirn. Der Papst gab dann das Ezechielwort an die Konzilsteilnehmer weiter: „Bezeichne mit dem Tau die Stirn der Menschen… Auf seiner Stirn trägt jener das Tau, der in seinem ganzen Verhalten den Glanz der Er-lösung zeigt…; Wer das Tau trägt, Zeichen eines Lebens aus echter Umkehr und in neuer Christusverbundenheit, wird Gottes Zuwendung erfahren…“.

Höchstwahrscheinlich hat Franziskus das Laterankonzil miterlebt und diese Predigt gehört. Mit Begeisterung hat er das Zeichen des „Taus“ aufgegriffen. Er zeichnete es auf Häuser, Wände und Bäume. Er unterschrieb seine Briefe damit und gestaltete selbst sein Gewand in der Form eines T. In der Dreigefährtenlegende heißt es: „Das T war ihm unter allen Buchstaben der liebste; mit ihm unterschrieb Franziskus seine Briefe und schmückte die Wände der Zellen“ (3 C3). In Rom hat Franziskus wiederholt die Gastfreundschaft eines Siechenhauses genossen, das dem hl. Antonius geweiht war. Die Hospitalbrüder des Einsiedlers Antonius trugen das Tau als ihr Ordens-kennzeichen. Das obere Ende ihrer Stöcke war damit geschmückt und es war in Stoff auf ihren Habit genäht.

Das Tau ist der Anfangsbuchstabe des griechischen Wortes "tapeinos" (=demütig, niedrig) und ist von daher für Franziskus auch Ausdruck einer ganz bestimmten Haltung und Lebensweise. Franziskus bezeichnet sich selber als "Minderbruder", der in demütiger Hingabe an seinen Schöpfer und dessen Schöpfung lebt. Er möchte gemäß dem Beispiel Christi das Leben des Niedrigsten, Geringsten und Einfachsten führen.

Während der Papst das Kreuz-Zeichen bald als Kampfzeichen der Kreuzzüge missbrauchte, wurde das Tau-Kreuz für Franziskus zum Friedens- und Segenszeichen. So finden wir es auch unter einem Segenspruch, den er für Bruder Leo aufschrieb, als dieser in Not und Angst war. Es bedeutete für Bruder Leo Kraft und Trost, dass er diesen Segen des heiligen Franziskus ständig bei sich tragen konnte. Durch das Setzen des Tau-Kreuz-Zeichens bekundete Franziskus den Sinn, das Ziel und die Art seines Lebens. Er bezeugte durch dieses Zeichen, dass er sich von Gott getragen wusste, von Jesus Christus geliebt und erlöst, und dass er durch ein Leben in Hingabe, in Einfachheit, in Vertrauen und Liebe die Nachfolge Jesu zu leben versuchte.

Das Tau ist daher ein Symbol für die Franziskanische Familie: ein Vermächtnis des hl. Franziskus, ein Zeichen des Segens und des Friedens. Es ist kein exklusives Zeichen nur für Ordensleute. Es ist ein Zeichen für jeden, der aus der Gesinnung des Evangeliums sein Leben zu gestalten sucht und im franziskanischen Geist in dieser Welt unterwegs ist.
Alle, die das Tau tragen, drücken damit aus:
auch ich bin von Gott erwählt,
auch ich stehe unter seinem Schutz,
auch ich möchte wie Franziskus Zeichen der Liebe Gottes für diese Welt sein 


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:06