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800 Jahre Franziskanische Bewegung
Das Jahr 1208 gilt als Beginn der Franziskanischen Bewegung. In diesem Jahr hört Franziskus die Aussendungsrede Jesu und beschließt, ein Wanderleben in der Nachfolge Jesu zu führen. Nachdem sich die ersten Gefährten um ihn geschart hatten, zieht er 1209 zum Papst nach Rom und erlangt die mündliche Bestätigung seiner Ur-Regel.

Die Initiativen im Rahmen von Charisma 2008/2009 erinnern an die Anfänge der Franziskanischen Bewegung.


Am 24. Februar 1208 hört Franziskus in der Kapelle von Portiunkula die Aussendungsrede Jesu: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold-, Silber- und Kupfermünzen in euren Gürtel“ (Mt. 10,7-9). Begeistert und tief bewegt ruft er aus: "Das ist es, was ich will, das ist es, was ich suche, das verlange ich aus Herzensgrund zu tun!" (1 Cel I,22)

Kongress in Brasilien

Rund 900 Schwestern und Brüder aus allen Zweigen der FFB und allen Regionen des Landes sowie rund 20 Vertreter aus anderen Ländern Lateinamerikas nahmen an der Begegnung teil. Dieser Kongress in Brasilien war die bislang größte Veranstaltung weltweit zur Begehung dieses wichtigen Ereignisses in der Geschichte der Franziskanischen Familie. Es ging um Erinnerung und Neubelebung des Traumes von Franziskus und Klara von Assisi.

Der Historiker und Franziskusexperte Professor Mario Cayota aus Uruguay, Mitglied des Dritten Ordens und derzeit Botschafter seines Landes am Vatikan, bildete den Auftakt mit seinem Überblick über die Präsenz der franziskanischen Familie in Geschichte und Gegenwart Lateinamerikas, dem ein Austausch in 13 Arbeitsgruppen folgten.
Den Abschluss des Forums bildete ein feierlicher und lebendiger Gottesdienst in der Kapuzinerpfarrei Brasilias und ein zweieinhalbstündige Marsch zum Präsidentenpalast.

Dort hat die Präsidentin der FFB, Sr. Vilani den nachfolgenden „Brief an die Lenker der Völker“ an den Vizepräsidenten Brasiliens überreicht.

"Brief an die Lenker der Völker“

Exzellenzen,
Franz von Assisi, geleitet vom starken Wunsch, den Plan Gottes für die ganze Schöpfung zu konkretisieren, richtete zu seiner Zeit ein Schreiben an die Lenker der Völker.
Wir, die Franziskanische Familie Brasiliens, Lateinamerikas und der Karibik, haben uns heute versammelt, um 800 Jahre der Geburt des Franziskanischen Charisma zu feiern; aus diesem Anlass wenden wir uns mit unserem Gruß „Pax et Bonum“ an die Herren Staatschefs sowie alle Führer und Regenten des Kontinents der Hoffnung.
Wir Franziskaner und Franziskanerinnen, die an diesem Kongress teilnehmen, betrachten es als Ehre und als Glück, Söhne und Töchter dieser an Naturschätzen so reichen Länder zu sein, die das Potenzial haben, allen ihren Bewohnern ein Leben in Würde zu bieten. Unsere Völker in diesem Teil der Erde weisen eine ethnische und kulturelle Vielfalt auf, die sich in Gastfreundschaft, Solidarität, Freude und Fähigkeit zum Zusammenleben – einer Frucht des ungeheuren menschlichen Reichtums der Bevölkerung – zeigt.

Aus allen Ecken hören wir zwei eindringliche Klagerufe: das Seufzen von Mutter Erde und den Notschrei von Millionen Schwestern und Brüdern, die unter Hunger und Krankheit leiden, die ausgegrenzt und zu einem zu frühen Tod verurteilt sind. Vor Jahrhunderten traten wir als Kundschafter und Entdecker auf, erkannten aber nicht unsere Aufgabe als Pfleger und Hüter des Planeten. Heute werden die Naturressourcen unserer Länder rücksichtslos ausgebeutet und zerstört. Dabei werden ganze Dorfgemeinschaften zu Gunsten großer Ländereien von ihrem Land vertrieben, die Artenvielfalt wird durch genveränderte Pflanzen und Missbrauch des Bodens für Biotreibstoff zerstört. Die Grundversorgung mit Nahrung ist dadurch bedroht. Dieses perverse Entwicklungsmodell, durch das die Wasserressourcen, das Land und die Luft verschmutzt und zerstört werden, ist hauptverantwortlich für die globale Erwärmung. Das missbräuchliche Macht- und Gewinnstreben des Marktes und die Auslandsverschuldung vergrößern die soziale Ungerechtigkeit und Ausgrenzung, führen dazu, dass indigene Völker aussterben, dass die schwarze Bevölkerung ausgeschlossen und unserer Jugend die Zukunftsperspektive geraubt wird.
Aus Anlass der 800-Jahrfeier der Geburt des Franziskanischen Charismas bekennen wir unsere Mitverantwortung und Verpflichtung zu Moral und Gerechtigkeit, damit Frieden und Leben in Fülle möglich werden. Eine andere Welt ist nötig, dringlich und möglich. Wir hoffen daher, das die Bestrebungen und Forderungen unserer Völker nach ihren wirtschaftlichen, politischen, sozialen, kulturellen und umweltbezogenen Rechten Vorrang haben vor den Interessen des neoliberalen Systems.

Im Namen des Gottes des Lebens, im Gedenken an das Leben von Franziskus und Klara von Assisi sowie angesichts unserer Berufung zur Brüderlichkeit, fordern wir daher eine neue wirtschaftlich-gesellschaftliche und politische Ordnung mit folgenden Prioritäten:
- eine Entwicklung unter Achtung der Würde aller Geschöpfe,
- eine Solidarische Wirtschaft, in der der Mensch Wertschätzung und Förderung erfährt,
- einen authentischen demokratischen Entwicklungsprozess, der die Selbstbestimmung der Völker und die wirksame kontinentumspannende Integration sicherstellt.

Wenn wir mit diesen Perspektiven handeln, wird der Traum von Franz und Klara von Assisi in Lateinamerika und der Karibik Gestalt annehmen; Gott wird uns seinen Segen geben.

Brasilia, am 19. Oktober 2008

Gezeichnet:
Die Leitung der FFB (Franziskanische Familie Brasiliens)



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